Natürlich muss weiter getestet werden! Kostenfrei für alle im öffentlichen Bereich. Selbstbezahlung bei individuellen Wünschen und Anliegen. Wir müssen differenzieren.

Notwendig ist, dass begleitend zu den Impfungen hochqualitative PCR-Tests durchgeführt werden müssen. Sie sollen gratis sein, wenn es sich um öffentliche Anliegen handelt: Für Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Lehrer, andere Bedienstete im öffentlichen Bereich. Es muss aber möglich sein, dass Impfunwillige, die etwa auf ein Konzert oder in ein Restaurant gehen wollen, eine Theateraufführung sehen möchten, ihre Tests selbst zahlen.

Es geht auch um die Selbstverantwortung des Staatsbürgers. Wer gratis Impfungen ablehnt, und dennoch am gesellschaftlichen Leben voll und ganz teilnehmen möchte, muss sich testen lassen und zahlen. Ich finde das nicht nur gerecht, sondern auch demokratiepolitisch notwendig. Wir können nicht in eine absolute Gratis-Gesellschaft hineintaumeln. Ich erinnere an den Satz des früheren US-amerikanischen Präsidenten, John F. Kennedy: „Wir sollen nicht nachdenken, was der Staat für den Einzelnen tun kann, sondern was der Einzelne für den Staat tun kann.“

Ich halte es für legitim, wenn auch nicht für unbedingt aufgeklärt und rational, wenn Menschen sich einer Impfung verweigern. Ich halte es aber für korrekt, dass sie die Konsequenzen ihres Tuns selbst tragen. Das eine ist, dass sie einer erhöhten Gefahr unterliegen, krank zu werden. Das zweite ist, dass sie sich testen lassen müssen. Ansonsten müssen sie  auf bestimme Bedürfnisse verzichten.

Hingegen ist es logisch, dass Menschen, die tagtäglich im öffentlichen Auftrag in Kontakt mit anderen Menschen stehen, getestet werden. Ebenso ist es vorstellbar, dass diese Menschen, beispielsweise Lehrer, motiviert werden sollten, sich impfen zu lassen. Ich rede nicht von Impfpflicht, sondern von nachhaltiger Motivation.

Dass Impfen schützt, ist wissenschaftlich bewiesen und evidenzbasiert. In der Regel müsste ein Lehrer, der objektives Wissen an seine Kinder vermitteln müsste, sich also impfen lassen. Wir dürfen das Ausmaß der Pandemie und die künftigen Gefahren nicht unterschätzen. Es geht nicht nur um Neuansteckungen, es geht darum, dass das Virus extrem wandlungsfähig ist, immer wieder neu auftauchen kann, die Pharmaindustrie sich immer neu einstellen muss, und die Wirtschaft immer neu vor Stillstand oder Disruption gestellt ist.

Wir müssen alles tun, um die Pandemie mit den vorhandenen Mitteln zu bekämpfen, um das gesellschaftliche Leben nicht zum Erlahmen zu bringen. Die Situation ist ohnehin volatil genug. Schon deshalb ist es moralisch gerechtfertigt, dass diejenigen, die sich dem Impfen verweigern, auch selbst dafür Konsequenzen tragen müssen. Beispielsweise durch Tests, die sie selbst bezahlen. Auch wenn es 30 oder 50 Euro sind.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von T Wenzel am August 6, 2021 um 11:16 am

    Eine wichtige Klarstellung. Impfen ist kein Schutz vor Träger/Vektorstatus, eine Infektion und damit Weitergabe des Virus ist auch nach Impfung, die außerdem nicht 100 % schützt möglich und kann nicht das Testen ersetzen, die Testwilligkeit abzubauen wäre die falsche Strategie.

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