Nein zur aktiven und geschäftsorientierten Beihilfe zum Suizid.

Verstärkung der Palliativmedizin und Vereinfachung der Selbstbestimmung, sprich Patientenverfügung.

Bei vielen Polemiken und medialen Entäusserungen findet demnächst eine wichtige VFGH-Entscheidung statt. Es geht – aufgrund von Klagen von betroffenen Angehörigen – um die Legitimierung der aktiven Sterbehilfe. Die Ärztekammer hat sich schon seit Jahren dagegen ausgesprochen: Kein Mensch hat das Recht, einen anderen Menschen zu töten. Erst recht nicht ein Arzt. Dafür sollte die Palliativmedizin wesentlich stärker gefördert werden als bisher – es gibt viel zu wenige Einrichtungen. Zudem sollte man die Patientenverfügung nochmals vereinfachen.

Gerade in Corona-Zeiten und angesichts der Triage-Problematik erhält das Thema aktive Sterbehilfe neue Brisanz. Während in Ländern wie den Niederlanden, unter bestimmten Umständen auch in Deutschland und vor allem in der Schweiz aktive Sterbehilfe erlaubt ist – und teilweise sogar Geschäfte damit gemacht werden – ist sie in Österreich noch verboten.

Es bleibt zu hoffen, dass der OGH auch bei dieser Regelung bleibt. Andererseits gibt es die Patientenverfügung, die bereits vereinfacht wurde und nochmals erleichtert werden sollte. Vor allem aber geht es um humane Sterbebegleitung statt einer Tabuisierung des Todes. Österreich verfügt über zu geringe Ressourcen und Einrichtungen. In jedem Fall bleibe ich dabei: Ärzte sollten nicht aktive Sterbehilfe leisten. Trotz aller medialen Zurufe, die immer wieder aufpoppen.

Was in keinem Fall geht: Geschäfte mit dem Sterben zu machen. Wir kennen viele Fälle von privaten Sterbehilfe-Organisationen, die unter dem Schleier der Humanität auftreten. Und viel Geld verlangen.

Hingegen bin ich stringent, was Impfen betrifft. Gegen bestimmte Krankheiten – von der Grippe über Masern bis hin zu Corona, falls ein sicherer und zugelassener Impfstoff vorhanden ist, sollte man sich impfen lassen. Zum Schutz des Einzelnen und der Gesamtbevölkerung. Und trotz des medialen Druckes  einer relativ kleinen Impfgegner-Lobby, die äußerst medienversiert ist und in sozialen Medien für hohe Reichweiten sorgt. Sorgte besser gesagt. Denn alle großen Plattformen haben einen Filter eingebaut: Politische und unwissenschaftliche News zur Impfverweigerung oder gar schädlichen Wirkung von Impfungen werden sofort gelöscht. Damit ist schon einiges geschehen.

Wenn wir sehen, welche fatalen Konsequenzen die niedrige Durchimpfungsrate hat, können wir – zumindest aus ärztlicher Sicht – gar nicht anders handeln und müssen Impfungen empfehlen. Die Tatsache, dass ausgerottet scheinende Krankheiten, wie eben Masern, wieder aufpoppen, dass die schweren Erkrankungen kraft Zeckenstich rasant zugenommen haben und angesichts der Erkenntnis, dass nur ein wirksamer Impfstoff vor Corona schützen kann, sollte man sich impfen lassen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Dr. Andreas Masching am Oktober 5, 2020 um 8:45 am

    Bravo!
    Der Arzt ist für das Leben verpflichtet, ohne Wenn und Aber. Alles andere, was unter den verschiedensten Deckmäntelchen daherkommt, steht letzten Endes für das Gegenteil und wird nur beschönigt. Und wie leicht sich aus einem vermeintlichen Recht ein innerer Druck aufbaut, hat man an anderen Beispielen gesehen. Sind die Schleusen einmal geöffnet, wer bringt sie wieder zu, bevor alles mitgerissen wird?
    Ich empfehle den Artikel von Thomas Boer in der PRESSE vom vergangenen Wochenende.
    Der niederländischer Ethiker hat im Nachhinein 4000 Fälle recherchiert. Das Ergebnis hat ihn immer mehr beunruhigt. Was der Mensch im guten Glauben meint, regeln zu können, kann missbraucht und zum Druckmittel werden. Das, was unter dem Etikett von Humanität eingefordert wird, wendet sich schnell gegen den Menschen. Gut gemeint ist nicht dasselbe wie gut. Sein Fazit könnte für österreichische Ohren direkt kommod klingen: „Ich empfehle das gute Wursteln.“ (Titel des Artikels im Presse Feuilleton)

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