Nix ist mit Aut idem!!!

Wir lehnen den Vorstoß der Apothekerkammer und andererGesundheitsberufe ab.

In hartnäckiger Regelmäßigkeit versuchen Apothekerkammer und Pharmalobbyisten, mittlerweile auch Vertreter der Gesundheitsberufe das Aut idem einzuführen. Das soll den Apothekern autonom erlauben statt eines vom Arzt verschriebenen Medikamentes ein anderes, mit gleicher oder ähnlicher Wirkung ,zu verkaufen. Das geht nicht, es zerstört das Vertrauen der Patienten, die ihre gewohnten Medikamente weiterhin so haben wollen wie sie aussehen und heißen. Und das kann zu unerwünschten Nebenerscheinungen führen, für welche wir Ärzte nicht den Kopf herhalten wollen.

Wir wissen, dass es gerade in den letzten Monaten immer wieder zu Engpässen in  der Versorgung mit wichtigen, häufig verschriebenen Medikamenten gekommen ist. Das liegt einerseits daran, dass die Pharmalieferanten reduktiv arbeiten, Österreich ein kleiner und margenbezogen unattraktiver Markt ist, dass Apotheken sich teure Lagerhaltungskosten ersparen wollen, das liegt aber zum Großteil auch am Reexport von Medikamenten aus Österreich. Dem sollte der Gesetzgeber schon lange einen eisernen Riegel vorgeschoben haben.

Wir Ärzte lehnen Aut idem aus mehreren Gründen ab: Patienten – vor allem ältere, die schließlich zu den häufigsten Konsumenten zählen – haben sich an Farbe, Verpackung und Form ihrer Medikamente gewöhnt und vertrauen ihnen. Ähnliche und gleich wirkende Medikamente in anderer Verpackung und mit anderen Namen machen sie misstrauisch. Sie wollen sie nicht gerne einnehmen.

Zudem gibt es kein Medikament, dass mit einem anderen ident wäre. Das kann zu negativen Begleiterscheinungen führen, abgesehen von den psychologischen Effekten.

Und wir Ärzte weigern uns auch, Kompetenzen an Apotheker abzugeben, die zwar einiges von Pharma verstehen aber nicht diagnostizieren können, was ein Patient wirklich braucht. Und wir wollen schon gar nicht dem Reexport von Medikamenten Vorschub leisten.

Deshalb kämpfen wir auch für eine Ausweitung der Hausapotheken, vor allem in ländlichen Regionen. Mit der Hausapotheke kann der Patient sicher sein, dass er das bekommt, was ihm verschrieben wurde. Zudem muss er keine Aufwendungen treffen, denn das Medikament erhält er sofort an Ort und Stelle.

Landärzte benötigen – gerade in überalterten, infrastrukturschwachen Regionen – die Einkünfte aus der Hausapotheke. Von den „Krankenscheinen“ können sie schwer überleben, noch dazu da die Patientenfrequenzen bei älteren Menschen per Quartal wesentlich stärker sind als etwa bei jüngeren. Und weil es am Land wesentlich mehr Hausbesuche gibt, die mit langen Anfahrtswegen verbunden sind. Wer weiß, wie gering die Honorare für Hausbesuche sind, kann davon ein Lied singen.

Wir wissen, dass Apotheken für die Grundversorgung essenziell sind, wir wissen aber auch dass sie am meisten durch PTC-Produkte verdienen und mit Aut idem ihre Einkünfte verbessern könnten.

Uns geht es um die Sicherheit und das Wohlfühlen der Patienten. Das geht vor. Deshalb: Nein zu Aut idem.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

(erfasst am 03.08.2020)

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2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Ralf W am August 4, 2020 um 5:02 am

    Ist es nicht oft so, dass der Patient durch Arztwechsel oder Vertretungsarzt ein Generikum einer anderen Firma verschrieben bekommt, der Apotheker ihm aber dann durch Einblick in die Patientenkartei das gibt, das der Patient immer hatte?

    Was sind PTC-Produkte?

  2. Veröffentlich von MR Dr Hannes Strand am August 4, 2020 um 6:45 am

    Es muss aber auch daran gearbeitet werden, dass man nicht ständig und zu recht über die schlechten Kassenhonorare jammert u reklamiert, dass Einkünfte über die Hausapotheke kommen sollen. In der Öffentlichkeit darf einzig die bessere Versorgung unserer Patienten Argumentation sein!

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