Notwendig: Zusatzmilliarden für die Gesundheitsversorgung! Mehr Pflegepersonal, mehr Ärzte, bessere Infrastruktur.

Das italienische Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps – Corona bedingt. Dabei sind die technischen Einrichtungen teilweise besser als bei uns. Frankreichs Präsident Macron hat Milliarden für das Gesundheitssystem freigegeben. Dasselbe ist auch für Österreich dringlich erforderlich – unabhängig von der Corona-Krise.

Gesundheitsversorgung heißt Redundanz und nicht Verknappung. In Österreich ist es umgekehrt. Seit Jahren werden im Krankenhausbereich systematisch Planposten gestrichen oder nicht mehr neu besetzt, der Ärztemangel ist dramatisch. Manche Abteilungen müssen vorübergehend schließen, weil es entweder an Fachärzten – zum Beispiel Anästhesisten oder Chirurgen – mangelt, teilweise weil es keine OP-Assistenten gibt. Manche Krankenzimmer stehen leer, weil es zu wenig Pflegepersonal gibt.

Die Ausbildung leidet, die Weiterbildung, an sich unerlässlich im Arztberuf, kommt unter die Räder.

Das Fatale ist, dass der Personalmangel nicht von heute auf morgen zu beheben ist. Da würden selbst Super Gehälter nichts nützen. Der „Ärztemarkt“ ist leergefegt und das in vielen europäischen Ländern.

Wann wenn nicht jetzt, müsste die Regierung ein Zusatzbudget für Gesundheitsversorgung beschließen, wann wenn nicht jetzt, müsste der KAV und die Stadt Wien sofort mit den Sanierungsmaßnahmen in den drei oder vier an den stärksten vernachlässigten Spitälern beginnen, und wann, wenn nicht jetzt, müsste man die Honorare für Allgemeinmediziner deutlich erhöhen. Sonst gibt es bald gar keine Kassenärzte mehr. Österreichweit sind knapp 100 Allgemein-Kassenstellen nicht besetzt, jährlich kommen 20 bis 25 hinzu. Notwendig wären aber mindestens 1.000 Kassenärzte mehr.

Man muss der Wahrheit ins Auge blicken. Unser System erodiert – und das seit Jahren, trotz der permanenten Warnungen und Hilferufe der Ärzte und Pflegerinnen.

Wir haben Engpässe, wohin man schaut: bei den Medikamenten, bei den Pflegebetten, in der technischen Ausstattung beim Personal ohnehin. Aber auch in der Erstversorgung. Es gibt zunehmend Fachärztemangel – von Psychiatrie über Kinderheilkunde bis zur Dermatologie oder Anästhesie – und es gibt viel zu viele Absolventen, die ins Ausland gehen.

Wir reden von  der Patientenmilliarde – und selbst diese Milliarde wäre nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – und bauen gleichzeitig umständliche Gremien auf. Wie soll die Gesundheitskasse funktionieren, wenn der jeweilige Vorsitzende jedes halbe Jahr wechselt .

Vielleicht hat die derzeitige Krisenstimmung – medial hochgeschaukelt – ein Gutes. Dass man endlich mehr Geld für Gesundheit und Pflege bereitstellt, in die Ausbildung investiert und ein integratives Gesundheitsmodell schafft – Gesundheitsversorgung, Prävention und Pflege unter einem finanziellen Dach.

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