Öffentliche Hand statt Werbekraken!

Wissenschafter brauchen anonymisierte Patientendaten. Nicht aber Konzerne.

Der größte Suchmaschinenbetreiber und das größte Werbeunternehmen der Welt, Google, hat mit dem US-Krankenhausbetreiber HCA Healthcare eine Kooperation abgeschlossen. Patientendaten werden in der Google Cloud gespeichert und ausgewertet. Die Ergebnisse sollen Ärzte bei medizinischen Entscheidungen unterstützen aber vor allem die betriebliche Effizienz verbessern und bei der Überwachung von Patienten helfen, heißt es in der Vereinbarung.

Damit wird ein Markt geöffnet, der gefährlich ist. Zwar versichert Google, dass die Daten der Patienten anonymisiert seien, die Krankenhausmanager aber erhalten Daten, wie sie ihre Krankenhäuser und Ambulatorien effizienter managen können. Die  Gefahr besteht ,dass diese Daten an Dritte weitergegeben werden.

Wiederholt haben die Ärztekammer  gefordert, dass Patientendaten für die Wissenschaft zugänglich gemacht werden müssen.. Gerade die Covid-Pandemie hat aufgezeigt, wie notwendig es gewesen wäre, über exakte Patientendaten zu verfügen und damit die weitere Entwicklung der Pandemie richtig einzuschätzen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Die öffentliche Hand ist dabei sehr rigide, das Datenschutzgesetz verhindert des Öfteren Grundlagenforschung. Klar ist, dass private Unternehmen nicht zu  Gesundheits-Kraken werden. Was Google besitzt, kann leicht missbraucht werden.

Google kennt die Gewohnheiten seiner User, nun mehr kennt man auch die Krankheiten bzw. latenten Süchte, Neigungen, Schwächen etc. Google weiss, wie man damit Geld verdient.

Österreich sollte mit einem guten Beispiel vorangehen. Eine zentrale Database, mit gesicherten, anonymisierten und kryptographierten Daten, die der Grundlagenforschung zur Verfügung gestellt wird.

Verhindert werden muss, dass Unternehmen wie Google oder Amazon und Apple, die im Healthcare große Marktchancen und Verdienstpotenziale sehen, diese Aufgabe übernehmen. Ansätze dazu gibt es bereits. Viele User von Google oder Apple geben ihre Gesundheitsdaten freiwillig her.

Wichtig wäre, eine nationale Gesundendatenbank aufzubauen, sie permanent zu warten, um so Wissenschaftern die Möglichkeit zu geben effizient zu forschen.

Ebenso wie das Gesundheitssystem nicht in private Hände geraten darf, darf auch die Datenerfassung nicht in private Hände kommen. Unabdingbar ist, dass Daten analysiert, verknüpft und ausgewertet werden. Anonymisiert und ausschließlich von wissenschaftlichen unabhängigen Institutionen Für ein besseres Gesundheitssystem und für eine bessere Behandlung von Patienten.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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