Öffnen wir zu schnell?

Impfen wir zu langsam?

Diese Fragen muss man sich ob des atemberaubenden Tempos, in dem Lockerungsmassnahmen verfügt werden, stellen. Bereits mit 1. Juli soll nicht nur die Sperrstunde ausgesetzt werden, auch der Zugang zu Massen-Events wird erleichtert. Die ersten großen Open Air Festivals haben ihr Programm schon vorgestellt oder sind in Vorbereitung.

Mit dem Impftempo hinken wir hinten nach

Hingegen geht es mit der Impfgeschwindigkeit nicht so rasch voran wie mit den Lockerungsschritten. Das liegt weniger daran, dass es zu wenige Impfstrassen oder Ordinationen im niedergelassenen Bereich gäbe, an denen geimpft werden kann, sondern am Mangel an Impfstoff. Denn es gibt derzeit nicht genug Einheiten, um alle Impfwilligen -und bereits im Sommer auch die 12 bis 15 jährigen – zweimal zu impfen.

Der Wettlauf wird immer heftiger. Auf der einen Seiten kaum eingeschränkte Mobilität im Inland und ins Ausland, das Einsetzen der Touristenströme, auf der anderen Seite das Wegfallen fast aller disziplinären Verordnungen, sie man von den 3 Gs ab.

Achtung vor Virusmutationen

Zudem werden neue Mutationen bekannt, die womöglich noch ansteckungsintensiver sind als die bisherigen.

Man sollte deshalb, im eigenen Interesse, Sorgfalt walten lassen und andererseits darauf drängen, dass verstärkt Impfstoffe angekauft werden. Weitere Zulassungen stehen vor der Tür, der Verkaufswettbewerb findet aber schon jetzt statt. Aus der Vergangenheit wissen wir: Wer besser und rascher bezahlt, erhält auch die Ware. Daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern so lange Impfstoff noch Mangelware ist.

Das Thema Sputnik oder nein scheint noch immer nicht geklärt, obwohl wir gerade jetzt Millionen von Dosen benötigen würden.

Schüler bis Schulbeginn impfen- und Studierende auch

Nicht zu vergessen: Man will die Schüler zwischen 12 und 16 Jahren noch vor Schulbeginn impfen- zumindest erstimpfen. Ob sich das ausgeht?

Die Lockerungsschritte seien allen vergönnt, Meschen benötigen ein mehr an Bewegungsfreiheit. Zu befürchten ist, dass es wieder zu – wenn auch anscheinend lokal begrenzten- Clustern kommt. Und zu befürchten ist, dass die Testunwilligkeit steigt. Und damit auch Tracing- Maßnahmen nicht so durchgezogen werden können, wie beabsichtigt.

Ich will keineswegs Kassandra spielen. Aber etwas mehr an Besonnenheit und Planbarkeit sollten doch wieder Raum greifen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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