Pflegenotstand! Handlungsverpflichtung! 271.500 Pflegefälle in Österreich und eklatanter Personal- und Ressourcenmangel.

Die Zahl der Pflegefälle ist 2019 deutlich angestiegen. Von 149.440 mobilen Pflegefällen auf 153.500, und von 82.500 Personen in Pflegeheimen auf 95.100. Dazu kommen knapp 10.000 Kurzzeitpflegefälle, 8.200 teilstationäre Tagesbetreuungen, 3.500 Personen, die in alternativen Wohnformen betreut werden und 1.326 Alltagsbegleitungen, zum Beispiel bei dementen Menschen.

Die Bruttoausgaben lagen 2018 bei 3,9 Milliarden Euro, wobei knapp 60% von den Ländern und Gemeinden getragen wurden. 36 Prozent mussten die betreuten Personen selbst beitragen. Der Rest kam von Versicherungen.

Signifikant gestiegen – auch wegen des Wegfalles des Pflegeregresses – ist die Zahl der Bewohner von Pflegeheimen, wobei es regionale Unterschiede gibt. Die höchsten Steigerungsraten hat das  Burgenland zu verzeichnen, im österreichweiten Schnitt sind es 19 Prozent.

Dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen und zwar mit höherer Dynamik als jetzt. Bereits zwischen 2013 und 2018 stiegen die Nettoausgaben um 36 Prozent, während die Einnahmen aus Beiträgen nur um 12 Prozent höher waren.

Das ist noch am wenigsten beunruhigend. Wirklich dramatisch ist, wenn man sich die Entwicklung bei den Pflegekräften anschaut. Allein in den nächsten zehn Jahren werden zumindest 75.000 Fachpflegerinnen benötigt. Und es wird nicht mehr wie bisher eine Million der Angehörigen in der Lage sein, die Eltern, Verwandten oder Lebenspartner zu pflegen – weil sie selbst zu Pflegefällen werden. Zudem sind Familien wesentlich zersplitterter und mobiler als in den vergangenen Jahren. Es werden sich weniger junge Menschen finden, die in der Lage sind, die Verwandten zu pflegen.

Die teuerste Form der Pflege ist ist die stationäre in Pflegeheimen.

Die „günstigere“ und psychologisch auch vorteilhaftere Hauspflege ist aus mehreren Gründen gefährdet: Es gibt zu wenige PflegerInnen, gerade in der 24 Stunden Pflege und viele Familien können sich eine/n PflegerIn gar nicht leisten. Die staatlichen Zuschüsse (Pflegegelder) reichen bei weitem nicht aus. Soziale Verschärfungen sind zu erwarten.

Der Pflegeberuf erscheint heute vielen nicht attraktiv genug: schwieriges Arbeitsumfeld, Stress, Überforderung, zu wenig Zeit für die zu Pflegenden und vor allem inadäquate Bezahlung. Zu dem macht die Alterspyramide Sorgen: Mehr als ein Drittel der PflegerInnen werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, es gibt nicht genügend Nachwuchs und viele Pflegekräfte verlassen vorzeitig ihren Beruf – weil er zu anstrengend ist.

Hier muss rasch gehandelt werden: bessere Einschulungen und Testphasen, mehr Geld und mehr Anreize für den Pflegeberuf insgesamt.

Hier muss die Kommunikation intensiviert werden, gezieltes Jobscreening durchgeführt werden und mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden. Das alles kann nur erfolgen, wenn man den Beruf als solchen auch imagemäßig aufwertet, wie auch alle anderen sozialen Beruf.

Und man wird wesentlich mehr Geld für die Angehörigenpflege investieren müssen: von rechenbaren Versicherungszeiten bis zu unterschiedlichen Varianten der pekuniären Unterstützung.

Denn eines ist klar: die Zahl der Pflegefälle wird steigen. Und die Zahl der freiwilligen PflegerInnen schrumpfen. Die Lücken müssen gefüllt werden.

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