Pragmatisierung, um Spitäler für Ärzte attraktiver zu machen?

…zumindest eine umsetzbare Idee, um Ärzte im Land zu halten.

Immer weniger Absolventen einer medizinischen Universität fangen nach dem Studium in den österreichischen Spitälern zu arbeiten an. Gleichzeitig verlassen auch immer mehr arrivierte Fachärzte ihre Anstellung. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, verschärfen sich die Probleme in der Versorgung und Ausbildung im medizinischen Bereich. Es muss gegengesteuert werden! Die Rahmenbedingungen sind einfach im Ausland oft besser. Ob dies nun die Arbeitsbedingungen betrifft, ein lukrativeres Gehalt oder schlicht einen wertschätzenderen Umgang durch die Arbeitgeber – das alles muss sich verbessern!

In den vergangenen Jahren war man auf Seiten der Träger der Auffassung, dass Beschäftigte froh über einen Arbeitsplatz im Gesundheitswesen sein müssen. Das galt auch für Ärzte in Spitälern. Die Situation hat sich allerdings verändert: Es bewerben sich immer weniger qualifizierte, erfahrene Kollegen um ausgeschriebene Stellen. Selbst leitende Positionen sind schwer zu besetzen. Etwas, was noch vor kurzer Zeit undenkbar gewesen wäre.

Was also tun, um die Rahmenbedingungen zu verbessern?

Ich denke, man sollte über die Wiedereinführung der Pragmatisierung nachdenken.

Unter Pragmatisierung versteht man, dass Menschen für ihr ganzes Berufsleben im öffentlichen Dienst eingestellt werden. Sie werden Beamte bzw. Beamtinnen. Wenn sie ihre Arbeitstätigkeit beenden, werden sie in den Ruhestand versetzt.

Diese Pragmatisierung wurde bei sämtlichen öffentlichen Trägern in den vergangenen Jahren abgeschafft. Die Folge daraus ist, dass viele Kollegen heutzutage auch nach Jahrzehnten im Spital leichtfertig kündigen, weil sie dadurch weder auf eine sichere Stelle noch auf einen Pensionsanspruch verzichten müssen. Gleichzeitig bewerben sich Kollegen, die noch pragmatisiert sind, immer weniger um Primariate, um nicht in Folge auf einen großen Teil ihres Pensionsanspruches verzichten zu müssen. (Die Beamtenpension ist trotz verlängertem Durchrechnungszeitraum etwas höher als die ASVG-Pension.)

Mit der Wiedereinführung der Pragmatisierung würde man den Mitarbeitern mehr Sicherheit und einen höheren Pensionsanspruch ermöglichen, gleichzeitig ließen sich damit sogar die laufenden Kosten für Spitalsträger reduzieren. Ein sicherer Arbeitsplatz hat – gerade in Zeiten wie diesen – einen hohen Wert.
In der jetzigen Situation, in der sich alle Träger schwertun, Personal zu finden sowie gut ausgebildete Ärzte zu halten, besteht die Verpflichtung, auch über diese Lösung nachzudenken

Ich appelliere an öffentliche Arbeitgeber, alles dafür zu tun, um die Leistungsfähigkeit ihrer Spitäler zu erhalten. Hier wären als Mindestanforderung auch unbefristete Verträge ein wichtiger erster Schritt.

Durch eine Pragmatisierung hätte man als Mitarbeiter zwar mehr Rechte, aber natürlich auch eine engere Beziehung zu der Einrichtung, bei der man beschäftigt ist. Der Mitarbeiter bindet sich lebenslang an seinen Arbeitgeber, mit der Aussicht, eine höhere Pension zu erhalten.

Die Entscheidung, eine pragmatisierte Position zu kündigen und sich eine alternative Beschäftigung zu suchen, fällt schwer. Da sprechen wir Österreicher aus Erfahrung.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde das generische Maskulinum gewählt.

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