Rasch impfen und massiv testen. Der Höhepunkt der Krise kommt erst.

Die Regierung wäre gut beraten, weiteren Impfstoff einzukaufen, sonst funktioniert die Strategie nicht, zuerst die vulnerablen und risikogefährdeten Menschen zu impfen und jene, die berufsbedingt hohe Kontaktzahlen haben. Der Impfprozess hat schleppend begonnen und muss an Tempo zulegen. Jetzt sind die Bundesländer für das Impfen zuständig. Sie müssen beweisen, dass sie über effiziente Strukturen verfügen.

Es wird noch eine Zeit dauern, bis der elektronische Impfpass da ist und auch die niedergelassenen Ärzte impfen können. Es ist alles eine Frage der Versorgung und Distribution. Der Impfstoff von Moderna, vor allem aber der von AstraZeneca sollen im Handling weniger kompliziert sein, sodass auch in den Praxen risikolos geimpft werden kann.

Und es ist an der Zeit, dass die Informationskampagne endlich anläuft: fundierte Infos, leicht verständlich über die Zusammensetzung des Impfstoffes, über die Nebenwirkungen nach dem Impfen, über richtige Verhaltensweisen zwischen den beiden Impfungen und darüber was Immunität bedeutet und wo die Risiken der Übergänge bestehen.

Es schaut so aus, als dass die Lockerungen des Lockdowns sich verzögern werden – müssen. Es ist für einige Wochen lang noch Disziplin gefordert, so sehr die Wirtschaft auch drängt. Die Zugangstests werden zwar gesetzlich geregelt, wie die einzelnen Veranstalter das ganze managen sollen, steht noch in den Sternen. Zudem ist die Skepsis in der Bevölkerung hoch.

Dasselbe betrifft – so begrüßenswert es sein mag – die Selbsttests für Schulen und Schüler. Auch das will organisiert sein und bringt nur dann etwas, wenn die Tests flächendeckend und kompetent durchgeführt werden und regelmäßig wiederholt werden.

Ich bin weit davon entfernt, Maßnahmen von vornherein zu kritisieren, gebe aber zu bedenken, dass in der Vergangenheit stets Pannen passiert sind. Das darf diesmal nicht sein. Wir können uns organisatorischen Wirrwarr nicht leisten. Vor allem nicht aus der Sicht der Ärzte und des Gesundheitspersonals, das eingebunden, aufgeklärt und vor allem vorab geschützt werden muss. Es bringt wenig, wenn coronabedingt medizinisches Personal Zuhause bleiben muss oder Ordinationen geschlossen werden müssen, weil die Ärzte in Quarantäne geschickt werden müssen.

Klarheit, Offenheit in der Information und organisatorische Strukturiertheit sind gefordert.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Henriette Walter am Januar 11, 2021 um 9:16 pm

    Ja, das finde ich auch, die Bevölkerung muss wesentlich klarer über die Impfung informiert werden, denn nur damit kann die Impfbereitschaft steigen. Ich verstehe das auch – niemand lässt sich etwas injizieren, von dem er/sie nicht weiss wie das wirkt.

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