Rettet Kundl und die Penicillinerzeugung! Keine Schließung des lezten Standorts Europas.

Die Corona Krise hat dramatisch aufgezeigt wie abhängig die globale Pharmaindustrie von Ländern wie China oder Indien ist. Medikamentenmangel selbst bei gängigen Präparaten, Mangel an Schutzmasken und Schutzbekleidung. Wenn China ausfällt oder ein Handelskrieg angezettelt werden sollte, stehen wir nackt da. Deshalb sollte Novartis – auch mit massiver Unterstützung der Bundes- und Landesregierung – bewogen werden, den Standort Kundl aufrechtzuerhalten. Pure Ertragsmaximierung ist fehl am Platz, wenn es um Marktökonomie geht.

Ich möchte daher zu Solidarität für Kundl aufrufen. Und insgesamt dafür plädieren, die Pharma- und Reagenzien-Produktion in Europa wieder zu stärken. Und auch weitere Industrien, die der Infrastruktur – letztendlich auch der Gesundheit – zugutekommen.

Es nützen uns die besten Krankenhäuser und Versorgungssysteme nichts, wenn es keine Medikamente gibt oder keine Schutztools, weil China das Quasi-Monopol hat. Und weil noch dazu – wie sich bei einigen Maskenlieferungen gezeigt hat – die Qualitätsstandards teilweise nicht eingehalten werden.

Europa muss sich selbst ein wenig mehr Autarkie schaffen. Sowohl in der Produktion als auch in der angewandten Forschung und in den Versorgungsketten. Ein Beispiel: Jetzt müssen wir genügend Impfstoff für die zu erwartende Grippewelle im Winter beschaffen, sonst droht ein Mangel, vor allem dann, wenn sich deutlich mehr Österreicher, aufgewacht durch Corona, gegen Grippe impfen lassen wollen.

Dasselbe gilt für Aspirin, um ein scheinbar banales Medikament zu nennen.

Nicht nur im Interesse der betroffenen Arbeitnehmer in Kundl in Tirol sollen wir alles tun, um den Standort zu erhalten. Es geht auch um die Erhaltung anderer pharmakologischer Standorte: Das Beispiel Sandoz sollte sich eben wenig wiederholen, wie der Exit von berühmten Forschern. Wer weiß heute noch, dass eine maßgebliche Forscherin und Entdeckerin Crispr/Cas, Emmanuelle Charpentier, in Wien geforscht hat – aber ihr Vertrag nicht verlängert wurde. Dasselbe gilt etwa für Josef Penninger, der in Kanada mehr Forschungsgelder und -freiheiten erhielt und ging.

Wir brauchen Unabhängigkeit in verstärktem Ausmaß. Sonst sind wir künftig mit einem eklatanten Medikamentenmangel konfrontiert.

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