Rückschritt statt Fortschritt!!! Das Auslaufen der elektronischen Krankschreibung sorgt für Unverständnis.

Es war eine bewährte Lösung. Während der Corona-Lockdown-Zeiten konnten die Ärzte Patienten elektronisch krankschreiben, aufgrund eines Telefongespräches oder einer Videokonferenz. Das hat sich bewährt. Es gab kaum Missbrauchsfälle, so die Statistik.

Um so unverständlicher erscheint es nun mehr, dass der sogenannte elektronische Krankschreibung ausläuft. Die Gesundheitskasse argumentiert damit, dass der persönliche Kontakt zwischen Patient und Arzt zu forcieren seien. Das ist an sich richtig, entspricht aber in diesem Fall nicht der Tatsache.

Offensichtlich misstraut die Sozialversicherung ihren eigenen Mitgliedern und hält sie tendenziell für Täuscher oder Lügner. Wir Ärzte vertrauen unseren Patienten in ihrer Aufrichtigkeit. Gerade Ärzte wissen, dass E-Medizin oder telemedizinische Verfahren den persönlichen Kontakt mit den Patienten niemals ersetzen können.

Sie sind aber ideal, um Routinetätigkeiten und einfache Diagnosen durchzuführen: Von der Verschreibung von Medikamenten bis eben zum Krankschreiben. Kein Arzt wird verantwortungslos einen Patienten krankschreiben, und wenn er unsicher ist, kann er immer noch auf einen persönlichen Besuch bestehen.

Mittlerweile haben sich elektronische Kommunikationschannels im Alltag der Menschen durchgesetzt. Nahezu jeder besitzt ein interaktives Smartphone, der Run auf die Bürgercard und die elektronische Signatur zeigt, wie hoch die Bereitschaft der Österreicher ist, bestimmte zur Gesundheit gehörende Routinen elektronisch zu regeln.

Für die Medizin und die Gesundheitsversorgung ist die Nutzung von elektronischen Hilfsmitteln notwendig, vor allem angesichts der Personalknappheit. Das Wichtigste, das Allgemeinmediziner oder andere niedergelassene Mediziner ebenso wie Krankenhausärzte brauchen, ist Zeit, um sich denPatienten zu widmen, die es nötig haben.

Vieles andere kann via IT und Internet geregelt werden. Deshalb plädieren wir dafür, die elektronische Krankschreibung nicht als Provisorium, sondern als geregelte Maßnahme gelten zu lassen. Es würde uns Ärzten mehr Zeit geben, und würde im Gegenteil das Vertrauensverhältnis Patient-Arzt stärken.

Niemand in Österreich lässt sich gerne nachsagen, er sei ein Schwindler. Diesen Eindruck muss man aber haben, wenn man den Beschluss der Gesundheitskasse analysiert. Wir haben harte Zeiten hinter uns, müssen weiterhin vorsichtig bleiben, deshalb müssen wir aber nicht in vor Corona-Zeiten zurückfallen. Technologie an sich ist nichts Schlechtes. Das gilt ebenso für die Anonymisierung von Daten für die Wissenschaft, wo es zumindest seit kurzem Bestrebungen gibt, die Wissenschaft mit besseren Daten zu versorgen, damit bessere Prognosen und Diagnosen erstellt werden können.

Moderne Medizin ohne Database ist nicht mehr möglich. Auch nicht die Erhaltung eines zeitgemäßen Gesundheitssystems.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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