Schulbeginn: Wie viele Lehrer sind geimpft? Über den Mangel an validen Daten im Gesundheitssystem.

Mit 6. September beginnt in Ostösterreich die Schule. Etwa 500000 Kinder und Jugendliche, zum überwiegenden Anteil nicht geimpft, werden wieder den Regelunterricht aufnehmen. Es herrscht zwar Testpflicht, aber niemand weiß, wie viele Lehrer tatsächlich geimpft sind.

Der Unterrichtsminister hofft, dass man in dieser Woche die Zahlen veröffentlichen kann. Es herrscht auch Unklarheit, wie Lehrer kontrolliert werden, die zu wöchentlichen PCR-Tests verpflichtet sind. Es gibt zahlreiche Ungereimtheiten. Insgesamt ist die Datenlage für das Gesundheitswesen unbefriedigend. Das beklagen namhafte Experten, Prognostiker, Plausibilitätsforscher.

Allgemeine Gesundheitsdaten und Daten aus Krankenhäusern, zum Beispiel über Hospitalisierungen und Impfquoten, Daten aus Elga, können nicht miteinander verknüpft werden, weil das Datenschutzgesetz, das verbietet. Nun mehr wäre es aber für die Forschung unerlässlich, diese Daten miteinander zu verknüpfen, um beispielsweise Ursachen für bestimmte Cluster, Prognosen für die kommende Entwicklung der 4. Welle und andere relevante Expertisen abzugeben.

So taumeln wir relativ unvorbereitet in die Zukunft. Dieselbe Problematik ergibt sich beim Tracen. Professionelles Tracing ist nahezu unmöglich. Damit wird es auch zunehmend schwierig, beispielsweise bestimmte Regionen oder Cluster zu isolieren, um ein unkontrolliertes Anwachsen der Infektionen zu bremsen oder zu verhindern.

Wir liegen seit einigen Tagen konstant bei 1.600 bis 1.700 Neuinfektionen. Das ist zu viel. In den vergangenen Tagen sind zahlreiche Urlauber zurückkehrt, ebenso wie zahlreiche Menschen mit migrantischem Hintergrund, die ihre ehemaligen Heimatländer besucht haben. Das wird zu einem weiteren Anschwellen der Corona-Infektionen führen. Und noch immer ist die Impfquote bei uns bescheiden.

Wir sind immer noch von der 60% Durchimpfungsquote- Zweitimpfung-  entfernt, in manchen Ländern sogar deutlich. Wenn wir nicht zumindest 80%  erreichen, und zwar in den kommenden zwei bis drei Wochen, wird die 4. Welle heftiger denn je sein.

Schon schwebt das Schreckgespenst des Lockdowns über uns. Und noch immer zögert die Regierung, Geimpfte und Ungeimpfte voneinander zu trennen, etwa was den Zutritt zu Veranstaltungen, zur Gastronomie oder anderen Freizeiteinrichtungen betrifft.

Es ist kein Bestrafen der Nicht-Geimpften, sondern ein Belohnen der Geimpften, wenn man sich für eine 1-G-Regel entschiede. Auch die Mehrheit hat recht, fair behandelt zu werden. Also impfen, vorsorgen, testen und die Vorsichtsmaßnahmen nicht außer Acht lassen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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