Schützt das Gesundheitssystem!

Sorgt vor! Leistungsabgeltung für Ärzte und Sonderzahlungen. Redundanzen ausbauen, Schutzmäntel und Masken sowie Grippeimpfstoff ankaufen. Jetzt.

Wir müssen lernen mit Corona zu leben. Das heißt, Vorsorge zu treffen und so gut es geht eine eventuelle 2.und 3 Welle, wenn schon nicht zu verhindern, so zumindest einzugrenzen. Wir müssen Herde sofort isolieren, und ein optimales Tracking-System einführen. Auch unter Verwendung von Bewegungsdaten.

Vor allem aber sollten wir jene schützen – und Post Festum auch honorieren – die täglich Risiken eingehen. Die Ärzte und das weitere Personal im Gesundheitswesen. Corona-Tests bei Ärzten sind in Krankenhäusern gang und gäbe, Schutzmaßnahmen muss es aber auch für den niedergelassenen Bereich geben. Es darf nicht mehr zu einem eklatanten Masken- und Mantelmangel kommen, wie beim ersten Mal. Es sollte auch nicht zu einem Mangel an Medikamenten kommen.

Wenn jetzt die Routinen wieder eingeführt werden – Öffnung der Ambulanzen, Durchführung von verschobenen Operationen, notwendige Therapien fortsetzen und mit Reha beginnen – erhöht sich natürlich das Risiko von Infektionen. Deshalb muss noch besser vorgesorgt werden.

Ein Gesundheitssystem kann nur funktionieren, wenn es elastisch ist und Redundanzen aufbaut. Deshalb ist jegliche Diskussion über die Reduktion von Spitalsbetten müßig. Hingegen brauchen wir nun deutlich mehr Pflegebetten vor allem für die postoperative Behandlung in den Krankenhäusern. Und es muss eine eiserne Reserve von Intensivbetten geben, oder solche Betten, die rasch aufgerüstet werden können.

Alle diese Investitionen müssen jetzt und rasch getätigt werden – ganz nebenbei tragen sie auch wesentlich zur Dynamisierung der Wirtschaft und zum Schaffen von Arbeitsplätzen bei.

Wir sollen uns daran gewöhnen – vor allem wenn wieder Reisefreiheit herrscht und der Tourismus hochgefahren wird – dass es zu singulären Corona-Herden kommt, die möglichst effizient eingegrenzt werden: lokale Quarantäne und Durchtestungen.

Die ersten Meldungen aus der Forschung lassen leicht optimistisch stimmen: Es scheint als ob man binnen eines Jahres noch effiziente Medikamente entwickeln kann, die vor allem den Verlauf von schweren Erkrankungen abmildern. Schutz vor Ansteckung aber bieten sie nicht. Das sollte jedem klar sein.

Das Virus lauert, und einmal ausgebrochen verbreitet es sich rasend schnell, wie die beiden jüngsten Fälle gezeigt haben.

Also Vorsorgen! Und das heißt, das Gesundheitssystem mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ausstatten. Und natürlich auch die im System arbeitenden Menschen. Ihr Verdienst darf nicht nur immateriell gewürdigt werden, sondern auch pekuniär-sowohl im niedergelassenen Bereich als auch in den Spitälern.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen ÄrztekammerDie weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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