Sind wir zu schnell beim Öffnen von Geschäften- oder gar Gastronomie? Abstand halten und Masken tragen und Schutz der Gesundheitsberufe sind vorrangig.

Die Ereignisse schienen sich im hohen Tempo zu überschlagen: Ab 1. Mai sollen alle Geschäfte offen haben dürfen, es darf – selektiv – Sport betrieben werden, die Fußball Liga soll wieder stattfinden, wahrscheinlich auch das Formel 1 Spektakel und nun auch die Gastronomie: ab Mitte Mai und offensichtlich gleich länger als bis 18 Uhr. Sind wir zu schnell, zu voreilig? Ist der Druck der Wirtschaft so hoch? Und die Schlagzeilenlust des Boulevards zu groß ?Vorsicht ist geboten: Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei und das Virus kann jederzeit wieder exponentiell aufpoppen.

Dass die Menschen sich nach Zeiten vor Corona zurücksehnen ist verständlich, gerade im urbanen Raum. Dass man wieder einmal ausgehen will – mit Maske beim Heurigen? – erscheint auch logisch. Dass die Regierung jetzt schon über bilaterale Tourismusabkommen mit Deutschland und der Schweiz verhandelt, ist aus der Sicht der schwer betroffenen Hotellerie auch einsehbar.

Aber vergessen wir nicht: Vorrang muss Gesundheit und die Bekämpfung des Virus haben. Solange es keine Impfung gibt, ist die Gefahr dramatisch vorhanden. Jederzeit kann das Virus wieder exponentiell sich verbreiten.

Wichtig ist jetzt: Hochfahren des „Normalbetriebs“ in den Krankenhäusern und in der medizinischen Erstversorgung im niedergelassenen Bereich. Denn hunderttausende Österreicher sind krank beziehungsweise bedürfen einer regelmäßigen Therapie. In Wien mussten allein 2.000 Operationen verschoben werden, die jetzt sukzessive nachgeholt werden. Unter Bedienungen, die wir seit Jahren kennen: viel zu wenige Ärzte, viel zu wenige Pflegekräfte und immer noch genügend Corona-Intensivbehandlungen. Auch wenn die Zuwachsraten an Infektionen derzeit gegen null tendieren, sie kann rasch wieder steigen – unkontrolliert. Dann, wenn der „Alltag“ im zivilen Leben zu rasch wiederhergestellt wird.

Wenn wir etwas aus der Krise lernen müssen dann: Gesundheit hat absolute Priorität vor allem anderen. Das soll nicht zu einer Art von Bio-Autokratie führen, aber als Kernprinzip aufrechterhalten bleiben.

Deshalb warte ich mit Spannung auf die Durchführungsbestimmungen bei den Lockerungsmaßnahmen: vielleicht sind diese so kompliziert und bedachtsam formuliert, dass vieles was heute verlockend klingt, in der Praxis nicht umzusetzen ist.

Schauen wir, dass wir gesund bleiben und gesund werden. Dann kann man über alles andere reden.

Und: an Masken tragen werden wir uns für die kommenden eineinhalb Jahre  gewöhnen müssen. Andere Kulturen machen das selbstverständlich. Auch wir werden lernen.

 

 

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