Testen mit System. Und nachhaltig. Vorrang: Gesundheitspersonal schützen.

Derzeit sind etwa 1.500 Pfleger an Corona infiziert. Nicht eingerechnet dabei sind Mitarbeiter in Pflege- und Altersheimen, die aktuell gefährliche Cluster sind. Nahezu die Hälfte aller in den letzten Tagen verstorbenen Patienten kommen aus Alten- und Pflegeheimen.

Wir brauchen die massenhaften Tests, um besser zu selektionieren und besonders gefährdete Gruppen besser zu schützen und die Erkrankten zu isolieren. Deshalb auch unser Vorschlag: Zuerst das medizinische Personal und Mitarbeiter im Gesundheitssektor, dann die Lehrer und andere Gruppen, die berufsbedingt viel mit Menschen zu tun haben.

Wir wissen, dass Antigen Tests nicht hundertprozentig exakt sind. Und nur Momentannahmen darstellen. Deshalb erscheint es notwendig, medizinisches Personal zumindest einmal pro Woche zu testen, besser noch alle vier Tage. Wer positiv getestet wird, sollte zumindest die Möglichkeit erhalten einen zusätzlichen PCR-Test zu machen, um Zweifel auszuschalten.

Wenn diese Gruppen getestet sind – wie gesagt nicht einmal, sondern mehrere Male – können selektiv Massentests durchgeführt werden. Südtirol macht das gerade vor. Jede Gemeinde hat zumindest eine Teststation – dabei herrscht das Prinzip der Freiwilligkeit, wie auch in Österreich vorgesehen.

Derzeit schaut es – noch – nicht aus, als würden die Neuinfektionen rasch sinken. Es sieht eher nach einer Stabilisierung beziehungsweise einem leichten Rückgang auf extrem hohen Niveau aus. Dazu kommt das Fatale, dass Contact-Tracing kaum mehr möglich ist und dass die Daten, welche die Prognostiker zur Verfügung gestellt erhalten, äußerst mangelhaft sind. Derzeit ist ein Team um Professor Thurner dabei, ein neues digitales Analysesystem zu etablieren, das gewissermaßen einen Neuanfang setzt. Das geht auch nicht von heute auf morgen.

Wir müssen uns der steigenden Dramatik noch stärker bewusst sein. Es bringt nichts, über den Lockdown zu jammern und gleichzeitig davon zu träumen, dass  ab 6. Dezember wieder ein geregeltes Leben eintreten könnte. Das sind Illusionen, die leider durch Handel und Wirtschaftslobby genährt werden, wobei deren Interessen subjektiv durchaus verständlich sein mögen – es geht auch dort um Existenzen.

Ein nationaler Schulterschuss – statt Schuldzuweisungen – ist notwendig: Testen, Regeln einhalten, isolieren, sich und andere schützen. Und durchhalten. Abstand, Reduktion der Sozialkontakte, Maske tragen, Hände wachsen – tausend Mal gesagt und offensichtlich noch immer nicht von allen internalisiert.

Die Zahl der Hospitalisierten steigt weiter stark an, man kann sich ausrechnen, wie viele davon intensive behandelt werden müssen. Der Plafond ist bald erreicht. In der Schweiz beispielsweise muss man schon mit der Triage beginnen. Das wollen und müssen wir vermeiden.

Das Gespräch des Bundeskanzlers mit den Interessensvertretern war aus meiner Sicht produktiv und sachlich. Das lässt Hoffnung und Perspektiven aufkommen.

Mit einem Wort: Durchhalten. Testen. Regeln einhalten.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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