Testen, testen, isolieren, Risikopersonen impfen. Nur so kommen wir über die nächsten Wochen.

Ab 27.12. soll Schluss sein mit Weihnachtsbesuchen und -feiern. Totale Ausgangsperre, Geschäfte zu, keine Silvesterparties. Das ist auch gut so. Denn die 7-Tage-Inzidenz liegt noch immer bei knapp unter 200. Zudem droht eine Mutation des Virus, die angeblich noch ansteckender ist als das derzeit bekannte.

In Wien bleiben die Testzentren offen: Jetzt sind Tests – freiwillig – nahezu eine Verpflichtung für mündige Staatsbürger. Nicht nur einmal, sondern in wiederkehrenden Rhythmen. Und nicht nur zur eigenen Vergewisserung, sondern zum Schutz der anderen, womöglich vulnerabler Menschen.

Die Begleitmaßnahmen müssen ohnehin eingehalten werden: Reduktion der persönlichen Kontakte, Abstand halten beim Einkaufen oder dringlichen Besorgungen, Öffis und andere Massenverkehrsmittel möglichst meiden, Maske tragen. Ältere Menschen erhalten in den nächsten Tagen kostenlos je 10 FFP2 Masken. Sie schützen besser als die herkömmliche.

Ab 28.12. wird geimpft. Der Plan steht. Was leider nicht feststeht ist, ob wir genügend Impfstoff erhalten werden, um bis zum zweiten oder dritten Quartal einen Großteil der Bevölkerung durchzuimpfen. Man kann aber sicher sein, es werden im Laufe der kommenden Monate noch weitere Vaccine hinzukommen.

Notwendig ist, dass ab sofort eine Aufklärungskampagne beginnt, angesichts wieder steigender Zahlen von Impfskeptikern und Testverweigerern. Ich halte monetäre Anreize für wenig sinnhaft und vor allem respektlos den tausenden Freiwilligen gegenüber, die bei der Bekämpfung von Corona mitarbeiten. Viel eher sollte man Impfnachweise für bestimmte Berufe und Tätigkeiten vorlegen. Das schafft Bewusstsein.

Jetzt aber gilt: Absolute Zurückhaltung, Vorsicht, Umsicht und Vorsorge – im Sinne von Tests. Nur dann gelingt es, in den Spitälern Kapazitäten freizuhalten und das angespannte Gesundheitssystem wenigstens ein wenig zu entlasten. Die Grippewelle ist noch nicht da. Wenn sich die Österreicher disziplinieren, wird es auch weniger Freizeitunfälle – siehe Skifahren oder andere Wintersportarten – geben.

Ich möchte nochmals an alle Medien und Meinungsbildner appellieren: Es bringt nichts, zu dramatisieren, und Pessimismus zu verbreiten. Was wir brauchen ist Zuversicht und ehrliche Informationen. Und vor allem konkrete Informationen seitens der Politik. Es soll sich jeder auskennen – das ist das Ziel.

Im Übrigen: Es geht nicht nur uns so, in ganz Europa herrscht Lockdown. Nicht nur wir leiden unter der Pandemie.

Ich selbst möchte mich bedanken: Bei meinen Kollegen, die heuer so engagiert gearbeitet haben und so viel Risikobewusstsein gezeigt haben, wie noch nie. Das gilt auch  für alle, die während der Pandemie für die anderen, die Konsumenten und Patienten im Einsatz waren. Die Politik sollte sich allen denjenigen gegenüber großzügig erkenntlich zeigen: Mehr als nur Lobesworte.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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