Theoretisch ja, praktisch nein. Das zwiespältige Patientenverhalten zu E-Medizin.

Digitale Gesundheitsdienste werden von drei Viertel der – deutschen – Bevölkerung generell begrüßt: Zum Beispiel elektronische Rezepte und Krankschreibungen oder eine Gesundheitsapp auf Kosten der Krankenkasse. Wenn es aber um konkrete Daten geht, sind die Menschen nach wie vor skeptisch. Vor allem Menschen über 50 Jahre. Und das ist die deutliche Mehrzahl der Patienten.

Wenn man aber konkret fragt, welche Dienste die Patienten auch nutzen würden, da sind die Antworten skeptisch. Nur mehr 33 Prozent würden ein elektronisches Rezept auch nutzen und lediglich 16 Prozent würde eine Videosprechstunde in Anspruch nehmen. Und nur eine kleine Minderheit ist bereit, sämtliche Daten zur Verfügung zu stellen, die verlangt werden. 97% sind dagegen, dass persönliche Daten – auch wenn sie verschlüsselt würden – weitergegeben werden. 77% fürchten, dass die Daten an kommerzielle Anbieter – zum Beispiel Versicherungen oder Arbeitgeber – weitergegeben werden.

In einem einzigen Fall gibt es eine Pro-Mehrheit: Bei elektronischen Krankschreibungen durch darauf spezialisierte Dienste. Offensichtlich ziehen die Arbeitnehmer diese bequemere Variante vor. Damit aber dürfte bald Schluss sein. Es wird ernsthaft überleget, derartige Services zu verbieten.

Das alles geht aus einer Untersuchung von PWC hervor, die kürzlich durchgeführt wurde. Und sie zeigt das Dilemma der digitalisierten Medizin auf: Die Angst vor Datenklau und Missbrauch ist nach wie vor massiv – und wahrscheinlich zu Recht, wenn man an diverse Skandale der jüngsten Zeit denkt – vorhanden. Und das direkte persönliche Gespräch mit dem Arzt ist durch nicht zu ersetzen. Die Menschen wollen mit ihrem Arzt reden, sie brauchen diese Zuwendung.

Und kaum ein verantwortungsbewusster Arzt würde sich ausschließlich auf eine Videodiagnose verlassen. Auch das geht aus der Studie hervor.

Dass ohne digitale Dienste – von bildgegebenen Verfahren bis zu Gesundheitsdatenbanken – Medizin heute nicht mehr möglich ist, dass es immer mehr telemedizinische Operationen und computergestützte Anamnesen gibt, ist Realität.

Und gerade deswegen, meint auch der PWC-Experte Michael Burkhart: „muss der Schutz von Patientendiensten bei Ausbau der Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen an oberster Stelle stehen…“.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Und es sollte auch für Österreich gelten, wo die Skepsis noch größer ist als in Deutschland. Und das muss man auch von ElGA oder anderen tele-medizinischen Diensten erwarten dürfen. Der Schutz der Intimsphäre des Patienten geht vor: Überall.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Gerald Grundschober am März 10, 2020 um 10:21 am

    Sehr geehrter Herr Präsident, danke für Ihre Grundhaltung. Auf der anderen Seite muss aber auch die gleiche Grundhaltung gelten alles möglich zu machen, damit die Patient*innen und Ärzt*innen in Ö bei der Digitalisierung in der Medizin nicht das Schlusslicht bilden. In vielen Bereichen muss es rechtlich, technisch (Datensicherheit mit konsequenter und genormter Verschlüsselung, Cloud-Strukturen, …), aber auch kognitiv-denkend, möglich gemacht werden und es gibt hier schon viele Zusatzangebote, die den Patient*innen helfen können.
    Beste Grüße Gerald Grundschober

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