Transparenz ja. Vor allem aber: Ja zur Schweigepflicht.Ärztliche Verschwiegenheit darf nicht ausgehöhlt werden.

Bereits im hippokratischen Eid ist sie festgelegt: Die Verschwiegenheitspflicht des Arztes. Und sie darf nicht zugunsten eines Transparenzdiktates ausgehöhlt werden. Wenn man den jüngsten Entäußerungen der neuen Krankenkasse Österreich über Auskünfte bezüglich Krankenständen Glauben schenken kann, dann ist das sehr wohl der Fall.

Man kann über Auskunftsbereitschaft reden, wenn es um lebensbedrohende Gewalt von Eltern beispielsweise gegen ihre Kinder geht. Das aber sind Ausnahmefälle zum Schutz von wehrlosen Kindern.

Patienten haben absolutes Recht auf Privatsphäre. Darauf fußt auch ihr Vertrauen zum Arzt. Und dieses Vertrauen ist unerlässlich, wenn es beispielsweise um Diagnosen geht oder um psychische, individuelle Hilfe.

Dass nicht nur die Krankenkassen oder besser gesagt die Arbeitgeber Interesse an Daten über ihre Mitarbeiter haben ebenso wie Versicherungen und Unternehmen, die am Gesundheitsmarkt aktiv sind, ist evident. Die Datensammlung von Google und Co. ist bekannt, aber vielen Nutzern in ihren Dimensionen gar nicht bewusst.

Aber es kann nicht sein, dass aufgrund der Neugierde von Arbeitgebern ein Klima des Misstrauens entsteht und Ärzte instrumentalisiert werden.

Es werden ohnehin schon zu viele medizinisch relevante Entscheidungen vor allem aus ökonomischen Gründen gefällt. Auch seitens der Krankenhausbetreiber, die aus möglichst hohem Profit ausgerichtet sind.

Der Verfassungsgerichtshof hat soeben erst das Bundestrojaner-Gesetz in weiten Teilen für verfassungswidrig erklärt: darunter auch die Speicherung und Weitergabe von personenspezifischen Daten. Zu Recht.

Es bleibt zu hoffen, dass die Ansätze der Sozialversicherungen von Anfang an wieder zurückgenommen werden. Wir Ärzte werden uns jedenfalls gegen alles wehren, das unsere Verschwiegenheitspflicht zum Schutz des Patienten desavouiert.

Mit Daten kann nicht vorsichtig genug umgegangen werden. Hacker habenohnehin stets einen Informationsvorsprung vor jenen, die Daten schützen wollen.

Wir sind die ersten die dafür sind, anonymisierte und verschlüsselte Daten für Wissenschaft und Forschung zu nutzen. Das muss sein, um neue Medikamente, Therapien und Technologien zu entwickeln und relevante Statistiken zu erhalten. Aber nur dafür.

Wir wollen weder Spitzelwesen noch eine Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Man kann nicht alles aus betriebswirtschaftlicher Sicht sehen – schon gar nicht den höchsten Wert, den wir haben. Die Gesundheit und das körperliche Wohlbefinden.

 

 

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