Triage verhindern. Gesundheitssystem vor Kollaps bewahren. Lockdown ist unerlässlich. Soziale Kontakte extrem einschränken.

Der worst case ist eingetreten. Das Virus hat uns stärker im Griff denn je. Die zweite Welle ist mit unheimlicher Wucht gekommen. Ein Ende ist nicht abzusehen- außer man sperrt das Land wieder zu.

Oberste Priorität hat die Erhaltung eines funktionierenden Gesundheitssystems. Das heisst: Verschiebung geplanter Operationen, Umschichtung des Personals auf Intensivstationen, ohne deshalb die akute Versorgung einzuschränken. Das ist ein Balanceakt. Die Hilferufe von einzelnen Krankenhäusern kommen nicht von ungefähr. Seit Jahren schon – und das hat nichts mit Corona zu tun- leiden wir an Ressourcenmangel bei Ärzten und Pflegekräften, ist das Personal überdurchschnittlich hoch belastetet. Nicht zu reden von der mobilen Pflege und Altenpflege -also von jenen Risikogruppen die besonders vulnerabel sind.

Die Regierung wäre jetzt gut beraten, stärker denn je auf Experten,  vor allem auf Praktiker, beispielsweise Ärzte, zu hören und die Appelle ernstzunehmen. Wenn Prognostiker sich beklagen, dass sie aufgrund der schlechten Datenlage kaum korrekte und nachhaltige Expertisen abgeben können, so ist das auch ein Alarmzeichen. Effizientes Contract-Tracing ist vielfach nicht mehr möglich. Dabei wäre gerade jetzt valide Daten notwendig. Hier könnte die Stopp Corona App wichtige Hilfe leisten. Bitte verwenden-unbedingt !

Mehr denn je gelten jetzt die vier Grundregeln- Abstand halten : Hände waschen, Maskentragen auch am Arbeitsplatz, Sozialkontakte auf das absolute Minimum einschränken.  Das ohnehin an der Kippe zur Überforderung stehen medizinische Personal muss geschützt -und auch entlastet werden. Vier Wochen auf Hochdruck arbeiten, mit hohem Risiko noch dazu, ist einfach nicht möglich.

Apropos Daten : in der kritischen Situation gilt es effiziente Heilmethoden für Intensivpatienten anzuwenden. Das Repositioning von vorhandenen, zugelassenen Medikamenten wäre so wichtig – noch dazu, da man grundsätzlich genügend Daten zur Verfügung hätte, welche man abgleichen und matchen könnte. Datenschutz darf in Notsituationen kein Vorwand sein. 

An alle Genesenen appelliere ich: Spenden sie jetzt Blutplasma. Das Prozedere ist einfach, ungefährlich und sein Einsatz kann Erkrankten helfen mit dem Virus fertig zu werden. Rotes Kreuz und Universitätskliniken sammeln Plasma Genesener und fertigen daraus Plasma mit Antikörpern für frisch Erkrankte.

 Wir können es uns nicht leisten, auf einen Impfstoff zu warten und zu glauben, er würde alle Probleme lösen. Was mich wundert ist, dass immer mehr Österreicher angeben, sich nicht impfen zu lassen. Dieser Widerspruch ist mir unerklärlich. Und wahrscheinlich auf eine inkonsistente Informationspolitik zurückzuführen.

Noch etwas: Es gibt jetzt die Testcontainer für Patienten mit Erkältungssymptomen. Man sollte sie nutzen, ebenso wie die Schnelltests, die nunmehr verfügbar sind  und auch dort verwendet werden. Jeder hat für sich persönlich die Pflicht, Versorge zu betrieben. Dass es soweit kommen musste, ist tragisch genug. Es ist 5 vor zwölf. Und der Lockdown das einzige, hoffentlich effiziente Mittel.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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