Trotzdem: Nein zur geschäftsmäßigen Sterbehilfe! Dafür: Einfachere Patientenverfügung. Investitionen in Palliativmedizin.

In Deutschland wurde vor kurzem der Bann für die aktive Sterbehilfe gebrochen – mit lautstarker Kritik seitens der Ärzteverbände und ethischer Gruppierungen. In Österreich soll der VfGH demnächst ein Urteil fällen. Wir als Ärztekammer werden unsere Position nicht ändern: Klares Nein zur aktiven geschäftsmäßigen Sterbehilfe, dafür mehr Kommunikation in Sachen Patientenverfügung. Und mehr Geld und Ressourcen für Sterbebegleitung.

Gerade Corona hat aufgezeigt, wie essenziell eine flächendeckende Palliativmedizin wäre. Österreich hinkt dem internationalen Niveau weit hinten nach. Dabei scheint  es essenziell, Menschen in den letzten Tagen vor ihrem Tod Schmerzen zu lindern und sie psychisch zu unterstützen. Denn etwas ist klar: Die Isolation und Einsamkeit älterer Menschen nimmt stetig zu.

In der Schweiz und in den Niederlanden ist aktive Sterbehilfe  geschäftsmäßig erlaubt, wenn auch mit Restriktionen. Das ist ethisch gefährlich und widerspricht auch dem hippokratischen Eid, dem wir immer noch verpflichtet sind. Gerade in Ländern wie Österreich und Deutschland angesichts ihrer euthanasielastigen Vergangenheit.

Hingegen wird die Patientenverfügung in erstaunlich geringem Maße benutzt, obwohl die großen Hürden beseitigt wurden und das Verfahren wesentlich vereinfacht ist –  eine Verfügung kann zudem jederzeit widerrufen oder abgeändert werden. Im Endeffekt erspart man sich damit viel unnötiges Leid. Deshalb mehr Aufklärung, auch im Zusammenhang mit generellen Gesundheitskampagnen.

Wo aber massiv investiert werden soll, ist die Palliativmedizin, angesichts komplexerer Erkrankungen, steigender chronischer Erkrankungen und steigender Lebenserwartung. Es fehlt nicht nur Geld, es fehlen gut ausgebildete Fachkräfte und Palliativmediziner. Es wäre ein Akt der Menschlichkeit und Respekt vor der Menschenwürde, wenn man die Budgets drastisch erhöhen und mehr Betreuungsstationen und Institutionen begründen würde. Denn das Thema Alleinsein im Alter beschäftigt die Menschen immer stärker, Isolation und Einsamkeit werden auch in Zukunft nicht weniger.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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3 Kommentare

  1. Veröffentlich von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Lüder Deecke am Dezember 11, 2020 um 6:14 pm

    Da gehe ich voll d’accord. Nein zur geschäftsmäßigen Sterbehilfe.

    • Veröffentlich von Dr Michael Quell am Dezember 12, 2020 um 6:35 am

      Menschen wollen zuhause sterben, am besten inmitten ihrer Familie, so sie eine haben, aber nicht auf einer Palliativstation im Krankenhaus. Das ist zweite Wahl, die gezwungenermassen akzeptiert werden muss, weil ersteres an vielem scheitert.

  2. Veröffentlich von Dr. Alexander Egkher am Dezember 14, 2020 um 12:34 pm

    Schwer zu bezweifeln ist die Kompetenz von Richtern in dieser Sache – ich sehe ebenfalls einen Dammbruch – wo ist die Grenze? Wie kann dann dieser Richter unterscheiden zwischen Sterbehilfe und Mord? – Im Zweifel für den Angeklagten?

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