Über Après-Corona reden statt über Après-Ski. Das Virus kennt keinen Winterurlaub.

Die Zahl der Patienten in den Intensivstationen steigt bedenklich. In Wien müssen bereits Operationen verschoben bzw. an private Spitäler ausgelagert werden. Mehr als 600 Schulklassen wurden in Quarantäne geschickt. Offensichtlich gibt es Probleme bei den Testungen. Und noch immer gibt es Lehrer, die nicht geimpft sind.

Wir gehen zu leichtfertig mit der Krise um. Es gibt keine klaren Aussagen, die Maßnahmen werden zögerlich und zumeist zu spät verordnet.

 Der Wintertourismus will unbedingt eine starke Saison vorweisen. Ob das möglich ist, entscheidet aber nicht die Politik, sondern das Virus. Es geht nicht auf Urlaub, nicht Skifahren, sondern sucht sich möglichst einfache Wege, um sich verbreiten zu können. Das liegt in der Natur der Sache. Wahrscheinlich haben zu viele die Causa Ischgl vergessen .

Wir haben knapp 60% Durchimpfungsquote. Damit liegen wir im europäischen Vergleich im unteren Drittel, ähnlich wie Staaten aus dem ehemaligen Osteuropa. Wenn wir nicht rasch die Impfquote erhöhen, wird das Virus weiter wüten. Und letztendlich können wir nichts anderes tun als abwarten, bis sich alle Nicht-Geimpften infizieren und erkranken., zum teil schwer. Ob das Gesundheitssystem, ob die Krankenhäuser das schaffen, ist fraglich.

Denn die Erkrankten sind vornehmlich junge Menschen und ihre Aufenthaltszeit in den Intensivstationen ist deutlich länger als bei älteren, stark vorbelasteten Patienten. Wir dürfen nicht in eine Situation geraten, wo Menschen, die dringend ein Intensivbett brauchen würden, entweder, weil sie schwer erkranken oder einen Unfall erleiden, kein Bett bekommen. Das wäre nicht nur ungerecht, sondern im höchsten Ausmaß auch unmenschlich.

 Wir wissen heute auch, dass bis zu 12 Prozent der Erkrankten und scheinbar Genesenen derart schwer an Long Covid leiden, dass sie nicht mehr arbeitsfähig sind. Das ist

makroökonomisch schwerwiegender als beispielsweise der teilweise Ausfall einer Wintersaison.

Das Einzige, was jetzt noch hilft, sind Impfverordnungen, beispielsweise für bestimmte Berufsgruppen, oder für Menschen, die in der Öffentlichkeit agieren. Wenn Aufklärung nicht hilft, muss der Gesetzgeber einschreiten. So demokratiepolitisch bedenklich das auch sein mag. Aber das Virus kümmert sich um nichts. Es ist da und es ist da, um zu bleiben oder neue Mutationen zu entwickeln.

Der Wissenschaft ist es gelungen, in Rekordzeit ein Vakzin zu entwickeln. Es wäre töricht, diese Chance nicht zu ergreifen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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5 Kommentare

  1. Veröffentlich von Theo am September 20, 2021 um 12:00 pm

    Sie haben es leider immer noch nicht begriffen. Ja, es gibt das Virus. Es kann Leute infizieren, es kann auch krank machen und manche werden auch sehr schwer krank und einige sterben an den Folgen dieser Krankheit. Das Virus entscheidet daher über gar nichts. Es denkt nicht und es wägt auch nicht ab. Anders als Sie glauben, besteht das Leben nicht nur aus „dem Virus“ und der Angst, sich damit zu infizieren. Welche Maßnahmen zu treffen sind, ist allein eine rechtliche Entscheidung, die nicht allein auf – Ihrer – Angst beruhen darf. Das Wort „Verhältnismäßigkeit“ und ihre Bedeutung ist Ihnen offenbar völlig fremd. Der Zweck heiligt eben gerade nicht alle Mittel. Wer anderes sagt, muss auch für die Folter sein, um Geständnisse zu erzwingen. Sind Sie das? Vermutlich nicht, aber warum sind Sie dann dafür, beim Virus immer nur einseitig zu denken? Es wird höchste Zeit, dass Sie Ihre Einstellung überdenken. Menschen – wie bisher gehandhabt – ständig einsperren (und sei es nur zu Hause) und sie ihrer Erwerbsgrundlage berauben, ist schlicht unanständig. Dass das zudem auch jeglicher Verhältnismäßigkeit entbehrt, versteht sich von selbst.
    Ich gebe Ihnen allerdings in einem Punkt Recht. Eine Impfpflicht ist gegenüber all diesen die Freiheit einschränkenden Maßnahmen das gelindeste Mittel (sie zu bekommen, dauert nur kurz; sie tut nicht weh; hat nur höchst selten Nebenwirkungen; schützt im Gegenzug aber effektiv). Warum es daher nicht schon längst eine Impfpflicht für alle gibt, ist für mich schlicht unverständlich.

    • Veröffentlich von Silvia am September 21, 2021 um 7:09 am

      Herr Dr. Szekeres hat keine Angst, sondern vermutlich eine ganze Menge mehr an infektiologischer Ausbildung und Wissen als Sie. Polemische Vergleiche sind fehl am Platz, wir brauchen Pragmatismus und Vernunft.

  2. Veröffentlich von Georg Ludwig am September 21, 2021 um 5:48 am

    Sehr geehrter Herr Dr. Szekeres, so was hatten wir schon. Es hieß damals „Führer befiehl, wir folgen Dir …“

    • Veröffentlich von Silvia am September 21, 2021 um 7:10 am

      Aha. Sie waren dabei und können daher mit Fug und Recht solche Vergleiche ziehen? Demokratieverständnis ungenügend, setzen.

  3. Veröffentlich von Hans Wimmer am September 21, 2021 um 7:10 pm

    …“Denn die Erkrankten sind vornehmlich junge Menschen und ihre Aufenthaltszeit in den Intensivstationen ist deutlich länger als bei älteren, stark vorbelasteten Patienten.“

    Na genau.

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