Vorsorgen. Impfstoff jetzt reservieren !!!

Das gilt für die Grippe wie für einen eventuellen Corona-Impfstoff.

Österreich muss lernen rechtzeitig Vorsorge zu tragen. Noch dazu in einem Gesundheitsmarkt, der durch Wettbewerb geprägt ist wie noch nie. Was bei den Masken und beim Grippeimpfstoff versäumt wurde, sollte bei Corona nicht passieren. Es könnte sein, dass  in mittlerer Zukunft ein valider Impfstoff gefunden und produziert wird. Daher gilt: Jetzt die notwendigen Vorräte sichern. Und nicht warten, bis die Preise explodieren und die Nachfrage größtenteils den Markt abschöpfen, wie es bei Remdesivir geschehen ist. Oder bei den Masken.

Die Politik ist aufgefordert, jetzt vorbereitende Gespräche zu führen. Oder jetzt zusätzliche Fördermaßnahmen für Studien und angewandte Forschung zur Verfügung zu stellen. Und damit ein gewisses Vorkaufsrecht zu sichern.

Wir wissen, dass man die Pandemie nur mit Impfstoff wirksam bekämpfen kann. Medikamente – wenn verfügbar – können nur dann eingesetzt werden, wenn die Menschen schon erkrankt sind.

Zum Beispiel Blutplasma von Erkrankten und bereits genesenen Personen. Das sind in Österreich immerhin über 18.000. Wenn nur jeder Zehnte Plasma spendete, wäre genügend Vorrat für effiziente Behandlungen auf ein bis zwei Jahre gesichert. Vor allem Plasma spenden ist unkompliziert und ungefährlich.

Rundherum steigen die Infektionszahlen ebenso wie die Zahl der Erkrankten wieder deutlich an – diesmal sind es signifikant viele junge Leute, die positiv getestet wurden und erkrankt sind. Und gerade bei jungen Menschen verläuft die Infektion oft symptomlos, sodass viele nicht ahnen, dass sie Superspreader sein könnten.

Wir müssen die Achtsamkeit erhöhen – und sei es durch drastische Maßnahmen oder zumindest durch verpflichtendes Maskentragen in geschlossenen Räumen – und notfalls auch durch Pönalisierungen. Denn es geht nicht, dass es in öffentlichen Verkehrsmitteln immer noch Unbelehrbare gibt, die sich nicht nur weigern Masken zu tragen, sondern auch noch lautstark polemisieren und damit Aggressionen hervorrufen. Und Streit lizitieren.

Aber vor allem gilt es Vorsorge zu treffen. Rechtzeitiger Medikamente- und vorsorglicher Impfstoffeinkauf, Sicherung der Intensivbetten, sodass genügend Spielraum nach oben bleibt. Und Aufruf zum Plasma spenden – wenn notwendig, verbunden mit Prämien. Und wenn es Essens- oder Restaurantgutscheine sind.

Wir haben Erfahrungen gesammelt und tun uns schwer aus diesen Erfahrungen die konsequenten Schlüsse zu ziehen. Das nennt man Angst vor Klarheit oder bestenfalls Meinungspopulismus. Damit kann man langfristig nicht erfolgreich agieren.

Vorsorge treffen – Gesundheitsvorsorge zu allererst – ist Pflicht einer demokratischen Politik.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Karl Obernosterer am Juli 29, 2020 um 9:16 am

    Ganz Ihrer Meinung. Unter Türkis/Blau und jetzt auch wieder Türkis/Grün wurde vor allem auch der Grad der mehr/weniger reinen Ankündigungspolitik maximiert. Tell them, what you told them what you wanted to tell them – aber damit alleine ist dann noch lange nichts passiert. Beispiele: Transparenz-RL, Hass im Internet, Anzahl der geplanten Corona-Tests und deren Dauer, Anzahl der Corona-Tests in der Tourismuswirtschaft. Und es geht so weiter: Konkrete Ampelregelung beim Auftreten von Corona-Fällen?, Schulöffnung im September? und natürlich auch die Frage nach ausreichend vorhandenen Tests, Schutzbekleidung bzw. reservierten Impfungen?

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