Warum Angst vorm Impfen? Sind die Österreicher trotz Corona Impfmuffel?

Jüngste Umfragen zeichnen ein bedenkliches Bild: Immer weniger Österreicher sind bereit, sich – wenn der Impfstoff da ist – gegen Covid-19 impfen zu lassen. Warum dieser Reflex, da es offensichtlich nicht mehr lange dauert, bis drei Impfstoffe auf den Markt kommen? Dabei steht unzweifelhaft fest: Corona lässt sich nur mit einer Schutzimpfung wirksam bekämpfen.

Eine Aufklärungskampagne tut not. Erste Aufschlüsse werden wir in wenigen Wochen haben, wenn wir die Massentests durchgeführt haben. In Südtirol hat man damit offensichtlich gute Erfahrungen gemacht. Die Teilnahmequote lag über den Erwartungen, und auch die Zahl der positiv Getesteten war erstaunlich niedrig: Etwa 0,9%. Die positiv Getesteten erhalten nun einen weiteren PCR-Test, um Fehldiagnosen auszuschließen. Die Südtiroler hoffen, damit rascher aus dem Lockdown zu kommen.

Wir werden sehen, ob sich auch in Österreich so viele testen lasssen. Und wie die Tests verlaufen, vor allem welche Konsequenzen gezogen werden: Tracing, Isolierung von eventuellen Clustern, Kontaktmanagement.

Es beginnt bereits – gelernt ist gelernt – die Auseinandersetzungen zwischen den Bundesländern und dem Bund: Wer nimmt die Abstriche ab, wie werden die Daten erfasst, wo werden wie viele Teststationen aufgebaut. In wieweit werden niedergelassene Ärzte involviert, welche Rolle spielt das Bundesheer und wann beginnen die Schulungen für das Testpersonal.

In Südtirol konnte man sich über Mail anmelden und erhielt einen Time Slot. Solche Systeme sind gelernt – man kennt sie von großen Ausstellungen und anderen Massenveranstaltungen. Voraussetzung für ein erfolgreiches Testmanagement ist nämlich die digitale Erfassung. Der händische Umgang mit Daten führt fast immer zu Missverständnissen und fatalen Fehlern.

Zudem ist Österreich deutlich heftiger von Corona betroffen als etwa Südtirol, was beispielsweise die Zahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner betrifft. Das dürften auch die Tests widerspiegeln.

Dass Sonderzielgruppen vorab getestet werden, ist ok.

Eines scheint jedenfalls klar: Lockerungen ab dem 6. Dezember wird es nur schrittweise geben. Wir müssen diszipliniert sein, um eine Verlängerung der Maßnahmen zu verhindern und auf eine rasche Zulassung eines ausführlich getesteten, sicheren und wirkungsvollen Impfstoffes hoffen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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