Was gegen eine Krankheit hilft, kann auch gegen andere wirksam sein.

Drug -Repositioning in Zeiten von big Data -eine Chance gegen Corona nutzen.

 Tausende Medikamente werden in langen, aufwendigen und teuren Verfahren geprüft und  erst dann zur Behandlung von klar definierten Krankheiten zugelassen. Dabei müssen verpflichtend Nebenwirkungen, Darreichungsform und Dosis etc. eruiert werden. Zudem muss bewiesen werden, dass das Medikament gegen eine bestimmte Krankheit effizienter wirkt als andere Therapien. Aufgrund der Verfahrens -Komplexität dauert es  entsprechend lange, oft Jahre, bis ein Medikament zugelassen wird. Für die Therapie von Covid haben wir aber nicht so lange Zeit.  Der derzeitige Ausnahmezustand darf nicht länger andauern, riskiert man nicht einen vollkommen Crash der Gesundheits -und Wirtschaftssysteme. Deshalb sind die rasche Entwicklung  einer Impfung  und wirkungsvoller Therapien Gebot der Stunde.

Wenn man  ein Medikament, welches für die Behandlung anderer Viren oder anderer Krankheiten zugelassen ist, für die Behandlung Covid entdeckte, würde man sich einen großen Teil des Zulassungsverfahrens ersparen. Im Klartext:. Man positioniert ein Medikament neu-für die Behandlung einer neuen Krankheit. Das nennen wir drug repositioning.

Dieser Ansatz ist nicht neu. Relativ häufig findet man heraus, dass Medikamente vielfältige Wirkung gegen ganz unterschiedliche Krankheiten haben.

Welche Medikamente derzeit sind Kandidaten für die Verwendung gegen Covid?

Es wurde berichtet, dass ein Antidepressivum gegen Covid wirken soll. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass Medikamente, die gegen Abstoßungsreaktionen, Tumore oder gegen Rheuma eingesetzt werden, auch antiviral wirken könnten.  Dazu einige erhellende Erklärungen.

Wie funktioniert eine Virus Infektion ?

Ein Virus besteht aus Erbsubstanz DNA bzw. RNA und kann sich alleine nicht vermehren, im Gegensatz zu anderen Erregern, wie Bakterien dies tun. Das Virus hingegen bringt nach der Infektion von körpereigenen Zellen diese dazu, autonom die Viren zu vermehren, weil die Zelle so umprogrammiert wird, dass sie eben Viren produziert. Diese Viren werden aus Bausteinen der DNA und RNA, sogenannten Nucleinsäuren synthetisiert. Die infizierte Zelle wird sozusagen zum Virusproduzenten.

Was haben Medikamente gegen Krebs oder zur Hemmung der Abstoßungsreaktion gemeinsam?

Sowohl zur Tumorbehandlung als auch zur Hemmung von Abstoßung oder zur Behandlung von Viruserkrankungen werden unter anderem sogenannte Antimetaboliten verwendet. Das sind künstliche Moleküle, die den Nucleinsäuren ähneln und in die Erbsubstanz von Tumorzellen oder Viren bei der Vermehrung eingebaut werden. Nachdem sie aber Nucleinsäuren nur ähneln kann die DNA oder RNA kette nicht synthetisiert  werden. Es kommt zu Kettenabbrüchen und Tumorzellen oder Viren können nicht gebildet werden, weil sie gewissermaßen getäuscht und ausgetrickst wurden.

Antimetaboliten, die die Vermehrung von Covid Viren hemmen könnten, würde man relativ rasch einsetzen können. Man muss nur die richtigen existierenden Medikamente identifizieren. Daran wird weltweit intensiv gearbeitet.

Chancen Big data nutzen. Unbedingt!

Man könnte auch die Medikationsdaten, die in Österreich -und das ist eine erfreuliche Ausnahme -in einem der wenigen Länder sowohl bei der Sozialversicherung als auch in ELGA gespeichert sind, mit Krankheitsverläufen (Daten der Gesundheitsbehörden und der Spitäler) vergleichen. Das würde  nach Zusammenführung der Daten vollkommen anonymisiert  erfolgen. Leider ist es mir bislang nicht gelungen die Verantwortlichen im Gesundheitsministerium von dieser Vorgangsweise, die von maßgeblichen Wissenschaftern gutgeheißen wird, zu überzeugen.

Vielleicht sollte man weiter denken und ausnahmsweise sich nicht vor Datenschützern fürchten, da der Datenschutz gewahrt werden kann. Und vielleicht denkt auch das derzeitige Ampel-Expertengremium daran. Und entscheidet. Gegen die Bekämpfung von Corona muss man alles tun was gesetzlich möglich ist. Datenschutz sollte -bei entsprechender Anonymisierung keine Ausrede sein.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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