Wie bekommt man Ärzte aufs Land? Versorgungslücken werden dramatisch größer.

In Deutschland wollen einige Bundesländer, vor allem im ehemaligen Osten, Ärzte mit besonderen Maßnahmen anlocken, am Land zu arbeiten. Erstens vermitteln sie die Studenten – wegen Numerus Clausus – an Privatuniversitäten und bezahlen zudem die Studiengebühren und  überweisen ein monatliches Studiengeld. Voraussetzung: Die späteren Ärzte müssen sich verpflichten ,zumindest sechs Jahre am Land zu arbeiten. Wenn sie das tun, erhalten sie weitere Boni: Wohnbeihilfen, Zusatzzahlungen als niedergelassene Ärzte bis zu 120.000 Euro pro Jahr etc.

Bislang ist das Interesse nicht groß. Auch in Österreich nicht. Die Gründe liegen auf der Hand und an ländlichen Strukturen: es fehlt oft der adäquate Arbeitsplatz für den oder die Partner/in, Teilzeitarbeit ist nahezu unmöglich, es gibt keine ganztags Kindergarten- und Schulstruktur mehr und auch sonst wenig kulturelle, internationale Vielfalt.

Viele österreichische Gemeinden arbeiten mit dem Slogan „Dort arbeiten ,wo andere Urlaub machen“. Doch auch das zieht nicht.

Fakt ist, dass im niedergelassenen Bereich die Patienten strukturell alt sind, dass man mühsame Hausbesuche wesentlich öfter machen muss und, dass viele ohne Hausapotheke auch finanziell kaum überleben könnten, trotz gratis Wohnung und Ordination, wie vielfach angeboten.

Es gibt auch Image-Defizite auf beiden Seiten. Immer weniger Studenten interessierten sich für den Beruf des Allgemeinmediziners . Immer mehr scheuen sich vor der zeitauftreibenden Arbeit als Landarzt. Sie wollen Familie und Beruf verbinden, Freizeit genießen und anderen Interessen nachgehen.

Gemeinden wiederum tun sich schwer, rational zu argumentieren. In den meisten Landgemeinden herrscht Bevölkerungsrückgang, gepaart mit Überalterung und Abwanderung, die Distanzen sind groß und attraktive öffentliche Nahverkehrsmittel gibt es kaum.

Auch die soziale Kontrolle ist am Land stärker als in der Großstadt.

Und selbst die Arbeit in einem Bezirksspital ist nicht sonderlich attraktiv: vor allem nicht für Fachärzte, die sich weiterbilden wollen. Oft sind die Fallzahlen zu gering, es fehlt an Ausbildende und Mentoren. Das sieht man an  den vielen offenen Turnusstellen, die oft jahrelang nicht besetzt werden können.

Was also tun?

Noch mehr Attraktionen bieten – oder regionale und lokale Gruppenpraxen bilden und unterstützen, sodass Entlastung gegeben und auch Teilzeit möglich ist? Vor allem müssen interaktive Zusatzservices forciert werden. Auch am Land ist das Smartphone Kommunikationsmittel Nummer 1.

Und der Staat müsste das, was seit vielen Jahren versprochen wird – Attaktivierung des ländlichen Raumes – durchsetzen. Noch eins: Ein Landarzt genießt zwar Respekt und Wertschätzung bei der Bevölkerung, nicht aber  bei der Politik. Das ist am Land gleich wie in der Stadt. Und ein Grund dafür, dass so viele ins Ausland abwandern oder einen attraktiven nichtärztlichen Beruf ergreifen.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Brettenthlaer Reiner Dr. am Juli 30, 2019 um 11:01 am

    Vielleicht könnte man die uralte Forderung, nämlich die Sozialversicherungshonorare mit der Hälfte des Steuersatzes zu belegen, wieder einmal aufnehmen – sollte für alle Ärzte für AM – Stadt und Land – gelten. Sportler haben ja auch eine eigene Regelung, die zahlen nur 10% Einkommenssteuer, soweit ich weiß.
    Reiner Brettenthaler, Präs. ÖÄK a. D.

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