Wir sind zum Nachzügler geworden. EU-weit 70% der Erwachsenen geimpft.Österreich dümpelt bei 58 Prozent.

Das hat die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekanntgegeben. Es seien, so sagte sie, mehr als 250 Millionen Menschen, die immunisiert sind. Österreich ist vom ehemaligen Spitzenreiter zum Nachzügler abgestürzt. Mit einer Durchimpfungsrate von 58% liegen wir deutlich hinter dem EU-Durchschnitt. Die angestrebten 80 Prozent erscheinen aus heutiger Sicht als Utopie.

Liegt das an der Kommunikation der Regierung, liegt es an der mangelnden Kooperation mit Ärzten, oder liegt es daran, dass die Österreicher besonders impfunwillig sind? Letzteres kann nicht behauptet werden. Es gibt  einen harten Kern von Impfgegnern, die über eine breite Lobby verfügen, und die sozialen Medien beherrschen, wie kaum andere Influencer.

Dadurch entstehen Verschwörungstheorien, werden Fakes geteilt, Menschen verunsichert, die sich ausschließlich über soziale Medien informieren. Offensichtlich ist es der Regierungskommunikation nicht gelungen, über Social Media jene Menschen zu erreichen, die sich nicht impfen lassen wollen.

Durchschnittlich werden in Österreich pro Tag nur mehr 5.000 bis 10.000 Menschen geimpft. Das ist peinlich. Die Impfquote steigt kaum, vor allem Bundesländer wie Oberösterreich und Salzburg kommen offensichtlich nicht zu den Zielgruppen, die sie überzeugen möchten. Wir wissen auch nicht, wie viele Lehrer, nächste Woche beginnt die Schule, geimpft und immunisiert sind. Das zuständige Ministerium verweigert die Auskünfte.

Länder wie Italien, haben strikte Regelungen. Lehrer dürfen nur unterrichten, wenn sie den Grünen Pass haben. In Frankreich herrscht Impfpflicht. Ohne Immunisierung sind Lehrer vom Unterricht ausgeschlossen. Wie man in Österreich damit umgeht, ist eher vage. Lehrer sollen regelmäßig PCR Tests außerhalb der Schule-machen. Das ist vage, das verunsichert Eltern und Schüler.

Insbesondere bei der Impfung der 12- bis 16-Jährigen,aber auch bei Menschen mit migrantsichem Hintergrund  liegen wir weit hinten. Gerade hier aber könnten die Ärzte, die das absolute Vertrauen ihrer Patienten genießen, eine große Rolle spielen. Ärzte können Impfskeptiker am ehesten überzeugen, und Eltern dazu bringen, ihre Kinder zu impfen.

Die Gemeinden haben hohes Interesse daran, mit den Ärzten zu kooperieren. Budget dafür gibt es aber keines bzw. wird darum gestritten, wie Ärzte honoriert werden.

. Es ist aber 5 vor 12. Wir wenn jetzt nicht alle Kräfte mobilisieren, verlieren wir den Wettlauf mit dem Virus, wobei mittlerweile neue Mutationen bekannt wurden, von denen man ausgehen kann, dass sie auch Österreich erreichen.

Es ist so: Wir müssen mit Corona leben. Wir müssen auch mit den Long-Covid-Konsequenzen zurechtkommen. Der einzige Weg dazu ist: Impfen, impfen, impfen.

 Dass parallel dazu auch Tests forciert werden, ist logisch. Die Testbereitschaft ist ebenfalls im Abnehmen, auch hier müssen Maßnahmen ergriffen werden, insbesondere bei Personen, die im öffentlichen Dienst arbeiten.

Die Warnungen der Experten dürfen nicht überhört werden. Jetzt ist Handeln angesagt. Wir sind bereit.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Posted in

Hinterlassen Sie einen Kommentar