Wissenschaft braucht Daten! Ohne Datenverknüpfung keine wirksame Corona-Bekämpfung

Die Datenlage ist unübersichtlich. Ein Teil der Corona betreffenden Daten liegen beim Innenministerium; andere im;  Gesundheitsministerium oder der Ages, , ein weiterer Teil in einer anderen Bundesbehörde. Verknüpfungen von Krankendaten und Elga-Daten sind offensichtlich nicht möglich.

Wissenschafter wie die beiden Watzlawick Ehrenringträger, Dr. Stefan Thurner und Dr. Peter Klimek, bezeichnen die Lage als Skandal. Gerade sie benötigen Daten und Datenverknüpfungserlaubnis, um solide Prognosen zu erstellen und die Basis für erfolgreiches Tracing zu liefern.

Was hier passiert ist laissez faire. Man weiß nicht, welche Patienten, die bereits Corona geimpft sind an Corona erkrankt in den Spitälern liegen, man weiß nicht, wie Infizierte und deren Kontakte überprüft werden, sodass sich über Nacht Cluster bilden, die man nicht mehr beherrschen kann. Und gleichzeitig verdichten sich Anti-Corona-Communities. Das ist mit ein Grund, warum derzeit nur zögerlich geimpft werden kann. Der Zustrom zu den Impfstrassen und-Boxen lahmt.

Vielleicht sind auch die Strategien falsch. Wahrscheinlich wird schlecht kommuniziert. In jedem Fall fehlt es an  Kontrolle, sei es in der Gastronomie oder sei es an den Grenzen. Immer mehr gesundheitsbewusste Menschen regen sich darüber auf, dass die 3-G-Regeln nicht penibel geprüft werden.

Es hat sich einerseits ein gewisser Schlendrian breit gemacht, andererseits gibt man sich mehr als nur bedeckt, was die Freigabe von Daten für die Wissenschaft betrifft. Eine Ausnahmeregelung im Datenschutz muss gefunden werden, noch dazu, da es sich nicht um persönliche Daten handelt, sondern um anonymisierte.

Wir alle wissen, ohne solide Datenbasis kann Wissenschaft keine neuen Medikamente oder Wirkstoffe entwickeln. Wir knebeln uns selbst, wenn wir auf anachronistischen Datenschutz-Regeln beharren. Corona hat die Gesellschaft und damit auch die Gesundheitssysteme dramatisch verändert.

Ebenso rasch wie Corona sich verbreitet, müssen wir auch auf allen Ebenen reagieren, sonst werden wir im Herbst weder einen normalen Schul- und Universitätsbetrieb haben und steuern auf den nächsten Lockdown zu, und zwar deswegen, weil so viele Menschen in Quarantäne oder in Kontakt-Klausur sind. Wollen wir das?

In Großbritannien bricht die Wirtschaft erneut zusammen, weil es an einsatzfähigen Arbeitskräften fehlt. Sie sind nämlich Zuhause, weil die Quarantäneregeln so hart sind.

Jetzt muss an allen Ecken und Enden angepackt werden. Impfen, kontrollieren, testen und die notwendigen Grundregeln beachten: Maske, Hände waschen, unnötige Kontakte vermeiden.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Wolfgang Bauer am August 3, 2021 um 10:38 pm

    https://www.businessinsider.com/cdc-fully-vaccinated-people-can-spread-delta-variant-2021-7

    Sehr geehrter Herr Dr. Szekeres,

    sind Sie mit diesen Daten vertraut? Verlangen Sie unter diesen Umständen immer noch eine Impfpflicht für Lehrer? Wenn ja, warum?

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