Zusammen statt getrennt und verordnet. Bessere Koordination zur Corona-Bewältigung tut not.

Seit 22.10. sollen niedergelassene Ärzte Schnelltests durchführen. Das mag ein weiterer Schritt zur effizienten Teststrategie sein. Allerdings: Eingebunden hat man die Ärzte nicht wirklich. Fakt ist: Viele Ordinationen, insbesondere im städtischen Bereich, sind für diese Schnelltests weder räumlich noch infrastrukturell geeignet, um die notwendige Trennung zwischen Testpersonen und den restlichen Patienten vorzunehmen.

Wieder einmal wird mehr versprochen, als gehalten werden kann. Und wieder einmal gibt es keine klaren Aussagen und wieder einmal sind die Betroffenen – Patienten und Ärzte sowie Ordinationsmitarbeiter – verunsichert. Es wurde weder klargestellt, wo und wie die Ärzte die Testkits bestellen können und welche Vorsichtsmaßnahmen getätigt werden sollen. Kein Wunder, dass sich viele KollegInnen weigern oder technisch nicht in der Lage sind, Tests durchzuführen.

Nicht ohne Grund fordern wir seitens der Ärztekammer seit Monaten das Einrichten von Testcontainern. Möglichst dicht und flächendeckend in Wien. Das würde die Ordinationen entlasten und eine saubere Trennung zwischen Covid-19 Tests und der Alltagsbehandlung garantieren.

Nun wird der Ball an die Ärzte gespielt. Ohne Überlegung. In ländlichen Gemeinden mag es einfacher sein, Ordinationen so zu teilen, dass man die Patientengruppen trennen kann. Viele städtische Ordinationen sind klein, zudem oft in Wohnanlagen mit gemeinsamen Eingängen angesiedelt.

Noch etwas kommt hinzu: Normale Patienten könnten abgehalten werden, zu ihrem Hausarzt zu gehen. Einfach aus dem Grund, weil sie Angst haben sich anzustecken. Das ist verständlich – angesichts der erschreckend hohen Neuinfektionen, die es seit Tagen gibt.

Auch die Ärzte selbst sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt: Wer sich im Umgang mit einem Testpatienten ansteckt, muss in Quarantäne. Und das heißt: vorübergehendes Schließen der Praxis. Zulasten der Patienten.

Wir Ärzte haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir alles tun, um unseren Beitrag zur Bekämpfung des Virus zu tun. Wir haben stets Zusammenarbeit angeboten und um Einbindung von Anfang an ersucht. Wir haben Expertisen, wir haben aus der Vergangenheit gelernt. Aber wir sind nicht dazu da, dass man uns einfach etwas ausrichtet. Medizin ist kein Befehlsempfänger.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas SzekeresPräsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.


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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Dr Rolf Dieter Rambousek am Oktober 31, 2020 um 9:32 am

    absolut richtiger Kommentar! Wir sind nicht nur Ärzte, wir sind auch Unternehmer und für das Wohl unser Mitarbeiter verantwortlich! Und befehlen von irgendwelchen überforderten Strukturen,Beamten oder Funktionären-nur weil sie versagt haben- lasse ich mir in meinem Unternehmen gart nichts! Vielleicht könnte man es einmal mit dem Zauberwort “ BITTE“ versuchen……..

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