Zusammenarbeit statt Scharmützel! Jetzt ist Solidarität von allen gefordert!Auch in der Politik.

In wenigen Tagen beginnen die ersten Corona-Massentests. Spät erst haben sich die Regierung und die Länder  zusammengesetzt und operative Richtlinien erörtert. Es war auch Zeit. Ein Appell an alle, die an diesem komplexen Prozess beteiligt sind: Einen gemeinsamen Schulterschuss vollbringen, Egoismen und Teilinteressen zurücknehmen.

Nach wie vor sind die Infektionszahlen und der 7-Tages-Index deutlich zu hoch, höher als in Deutschland und anderen Nachbarstaaten. Deshalb sind alle Maßnahmen hilfreich, die jetzt getroffen werden: Testungen, so breit wie möglich und so professionell wie möglich, dass die Daten auch verarbeitet werden können. Gleichzeitig die Erfahrungen aus den Tests nutzen, um sich für die kommenden Impfungen vorzubereiten, die seitens der Logistik – Kühlung, Distribution, rasche Anwendung – eine neue Herausforderung stellen.

Die Reihenfolge für die Impfungen feststellen – die deutsche Leopoldina und der Ethikrat haben bereits Empfehlungen und Richtlinien ausgearbeitet – und vor allem: Strenge Kontrollen, ob die Lockdown-Regeln auch eingehalten werden.

Man hört von Menschentrauben in Malls und bei Punschständen, es gab hunderte Anzeigen wegen Überschreitung der Ausgangsregelungen und Besuchsregelungen. Es mag verständlich sein, dass Menschen mit der Isolation und Kontaktreduktion nicht so leicht fertig werden, es in kleinen Wohnungen kaum aushalten. Aber es nützt nichts: Jeder, der einen Kontakt zu viel hat, gefährdet sich selbst und andere.

Wir werden uns darauf einstellen, dass es nur in kleinsten Schritten zu Lockerungen kommt, zumindest in diesem Winter. Die Nachbarländer erwägen bereits, den Lockdown in groben Zügen über Weihnachten hinaus zu verlängern, um Brandherde zu vermeiden. Denn eines hat das Virus gezeigt: Es lässt sich nicht wegkriegen. Kaum glaubt man, dass es zurückgedrängt sei, taucht es wieder auf. Und die Neuinfektionen schnellen wieder in die Höhe.

Was wir jetzt von den Politikern aller Couleurs erwarten müssen, ist das Abbauen von Grenzen und Mauern zwischen den Parteien und Interessensvertretungen, einen symbolischen Handschlag und Konzentration auf die Virus-Bekämpfung und Sicherung der Gesundheitsversorgung. Sonst kommt die Gesamtgesellschaft nicht aus dem permanenten Krisentaumel.

Die Ärzteschaft, das kann ich behaupten, ist solidarisch und bereit bei allen Aktivitäten, die sinnvoll sind, mitzutun. Schließlich muss bedacht werden wie die hunderttausenden Abstriche durchgeführt, wie sie analysiert werden und welche Tests wiederholt werden müssen, um Risiken weiter zu minimieren. Und schließlich muss auch der normale Krankenhaus- und Ordinationsbetrieb aufrechterhalten werden – zumindest bei akuten Fällen und bei chronisch schweren Erkrankungen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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