Zutritt nur für Geimpfte! Mutig, Herr Stadtrat.

Wenn es nach den Wünschen des Wiener Stadtrates, Peter Hacker, und auch anderer schwergewichtiger Landespolitiker geht, sollen in Zukunft nur noch geimpfte bzw. genesene und einmal geimpfte Personen Zutritt zu öffentlichen Veranstaltungen , insbesondere zu Sport- und Freizeitstadien haben.

Diese Ansage hat Wirbel ausgelöst. Seitens der Ärztekammer wird der Vorschlag begrüßt. Aus sachlichen Gründen. Die 4. Welle kommt rascher als gedacht, Neuinfektionen ereignen sich zum Großteil nur noch unter Nicht-Geimpften bzw. nur Einmal-Geimpften. Die Hospitalisierungen steigen in bedenklichem Ausmaß, an den Intensivstationen gibt es – noch – Reserven. Dennoch, man muss sich wappnen.

In wenigen Wochen beginnt der Schulunterricht, noch immer ist nicht klar, wie viele Lehrer geimpft und immunisiert sind, noch immer ist nicht klar, wie viele Kinder zwischen 12 und 15 Jahren geimpft werden können bzw. die Erlaubnis der Eltern vorhanden ist. Wir konstatieren eine zunehmende Impfmüdigkeit aber auch Testmüdigkeit. Und Statistiker stellen fest, dass es zu vielen interfamiliären Spreads kommt, gerade weil eben viele Familienmitglieder nicht geimpft und geschützt sind.

Evident scheint, dass die meisten Impfunwilligen aus sozial niedrigen, bildungsfernen Schichten kommen, dass viele rein sprachlich sich schwer tun die gesamte Problematik zu verstehen, und dass man diese Zielgruppen auf anderen als nur konventionellen Wegen erreichen muss.

Immer mehr ergibt sich die Notwendigkeit, die niedergelassenen Ärzte stärker einzubinden. Sie sind diejenigen, die den größten Vertrauensvorschuss besitzen, weit höher als Politik, Schule oder andere Institutionen.

Zudem gibt es viele Ärzte, im Krankenhaus und im niedergelassenen Bereich, die migrantischen Hintergrund haben, und damit auch einen höheren Vertrauensvorschuss bei ihren ehemaligen Landsleuten genießen. Alles das gilt es zu beachten und nicht zu tabuisieren, wie es in der Vergangenheit oft der Fall war. Was jetzt notwendig ist, ist rasches, klares und womöglich auch hartes Handeln.

Wer ein Fußballspiel besuchen will, in einer Kletterhalle trainieren will oder ein Fitnessstudio aufsuchen möchte, muss geimpft sein. Darüber sollte es keine Diskussionen geben. Dasselbe gilt in der Regel auch für Kulturveranstaltungen, insbesondere aber für jene Groß-Events, die schwer zu kontrollieren sind. Wir haben schon anhand der Gastronomie gesehen, wie lückenhaft die Kontrollen bzgl. der Tests sind, wir wissen, wie viele Tests gefälscht sind, wir wissen, dass es bereits graue Märkte gibt.

Deshalb muss der Riegel vorgeschoben werden. Testen allein genügt nicht. Wenn wir, und das sagt der Wiener Gesundheitsstadtrat sehr deutlich, in den kommenden vier Wochen tatenlos zusehen, wie die 4. Welle mit immer massiverer Gewalt auf uns zukommt, müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen.

Nur eine Maßnahme hilft wirklich: Das ist die Impfung. Es wird auch bald Zeit mit den Auffrischimpfungen zu beginnen, was wiederum einen logistischen Aufwand bedeutet.

Gesundheitsbehörden und Gesundheitsverwaltung stehen  wieder einmal vor enormen Herausforderungen. Wir helfen gerne als Ärzte dabei, diese zu bewältigen. Aber es muss auch klare Regelungen geben. Am besten österreichweit.

Wenn einzelne Bundesländer verschärfen, wie es etwa Wien seit Wochen tut, ist das korrekt. Eine Millionenstadt kann man nicht mit einem relativ dünn besiedeltem Bezirk vergleichen. Deshalb: Lieber jetzt streng als später vor geschlossenen Türen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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